Lukrativer Abstecher Khatamis in die Wirtschaftskammer

12. März 2002, 15:03
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Absichtserklärungen in der Höhe von 1,1 Milliarden Euro unterzeichnet - Klestil erfreut

Wien - Der iranische Staatspräsident Seyed Mohammad Khatami hat bei einem österreichisch-iranischen Wirtschaftsforum in der Wirschaftskammer Österreich am Dienstag die Hoffnung auf "einen vielversprechenden Horizont bei der Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen" zum Ausdruck gebracht. Der laufende Fünf-Jahres-Plan der iranischen Regierung habe klare Prioritäten gesetzt, wie Privatisierung und Dezentralisierung und Förderung von Auslandsinvestitionen, betonte Khatami. Der iranische Staatsbesuch schlug sich in konkreten Resultaten nieder: In der WKÖ wurden Absichtserklärungen in Höhe von 1,1 Mrd. Euro unterzeichnet, und WKÖ-Präsident Christoph Leitl übergab eine Mappe mit 29 Firmen-Memoranden für spezifische Projekte.

Khatami verwies vor dem bestens besetzten Forum auf die strukturelle Verbesserung der iranischen Wirtschaft. Das Wirtschaftswachstum habe sich von 2,2 auf 5,9 Prozent erhöht, in diesem Jahr würden Investitionen von 8,8 Prozent getätigt, die Inflationsrate sei von 23,2 auf 12,6 Prozent gesunken und die Auslandsschulden wurden von 16,8 auf 7,5 Milliarden US-Dollar reduziert. Es sei gelungen, das Investitionsrisiko zu reduzieren, und man bemühe sich um eine Festsetzung der Wechselkurse. Auch sei ein Fonds für überschüssige Öleinkünfte gegründet worden. Khatami bedauerte das bestehende Handelsdefizit gegenüber Österreich und drückte die Hoffnung aus, dass dieses Ungleichgewicht beseitigt werde.

Klestil erfreut über Beteiligung Österreichs an Großprojekten

Bundespräsident Klestil wertete die zahlreiche und hochrangige Präsenz österreichischer Wirtschaftstreibender als Beweis für das große gegenseitige Interesse an einer Vertiefung der Wirtschaftskooperation. Erfreulich sei die Teilnahme Österreichs an Großprojekten wie beim Eisenbahnbau, der Lieferung von Zugsgarnituren, dem Ausbau des Teheraner U-Bahn-Netzes und der Errichtung von Speicherkraftwerken. Die Voraussetzungen für den weiteren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen seien gut, den Ausgleich der Handelsbilanz betrachte man als gemeinsames Anliegen.

WKÖ-Chef Leitl bezeichnete die "wirtschaftlichen Netzwerke" als "einen Beitrag zu Frieden und Stabilität in der Welt". Die Wirtschaft betrachte sich als "Brückenbauer". Im Iran und im benachbarten Afghanistan sind nach den Worten Leitls große Infrastrukturprojekte zu tätigen. Die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Europäischen Handelskammer (Eurochambre), deren Präsident Leitl gegenwärtig ist, und der Iranischen Handels- und Industriekammer, die ebenfalls in der WKÖ erfolgte, bezeichnete Leitl als "Signal Europas an den Iran, das uns ermutigt, diesen Weg hin zu einem wirtschaftlichen Netzwerk zu gehen".

Leitl zeigte sich erfreut über das große Interesse für österreichische Produkte und Know-how im Iran, das sich in den unterzeichneten Verträgen wiederspiegle. Die Siemens AG Austria unterzeichnete ein Memorandum über den schlüsselfertigen Bau einer Metro-Linie in Teheran. Die Firma Indeo (Intelligent Networks Development & Operation) unterschrieb eine Absichtserklärung zur Modernisierung des Telefonnetzes, Magna Steyr ein Memorandum zur Zusammenarbeit am Automobilsektor und die Flughafen Wien AG eines über ein Joint Venture zwecks Ausbau des Flughafens Mashad. Bei den 29 Firmen-Memoranden, die Leitl übergab, ging es um Lieferinteressen, Kooperationsangebote sowie Anliegen österreichischer Unternehmen im Exportgeschäft mit dem Iran.

Export-Schwerpunkt

Traditioneller Schwerpunkt österreichischer Exporteure im Iran ist laut WKÖ der Ausbau der elektrischen Energie, einschließlich Errichtung von Staudämmen und Wasserstollen. Massiv engagiert ist Österreich auch auf dem iranischen Stahl- und Eisenbahnsektor. Im Umweltbereich arbeiten österreichische Firmen mit der lokalen Automobilindustrie und der Umweltbehörde zusammen, um die starke Luftverschmutzung zu kontrollieren. Ferner besteht ein Potenzial in den Bereichen Wassermanagement und Verkehrsinfrastruktur.

An dem iranisch-österreichischen Wirtschaftsforum nahmen mehr als 200 hochrangige Vertreter österreichischer Unternehmen teil. Bereits im Vorfeld der Visite hatte Leitl betont, dass der Iran mit einer Exportsteigerung um 50 Prozent auf über 250 Mio. Euro im vergangenen Jahr und einem ungeheuren Marktpotenzial "einen der wichtigsten Überseemärkte Österreichs" darstelle. (APA)

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