Stimmauszählung nach Präsidentenwahl in Simbabwe begonnen

12. März 2002, 15:52
posten

Stimmen des Militärs möglicherweise entscheidend - MDC-Generalsekretär wegen Verrats angeklagt

Harare - Nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Simbabwe hat am Dienstag die Auszählung der Stimmen begonnen. Informationsminister Jonathan Moyo erwartet das Ergebnis des Duells zwischen Amtsinhaber Robert Mugabe (78) und seinem Herausforderer Morgan Tsvangirai (50) für Mittwochvormittag. Unterdessen wurde Generalsekretär von Tsvangirais Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC), Welshman Ncube, wegen Verrats angeklagt. Der am Montag Festgenommene soll einen Mord an Mugabe geplant haben, wurde am Dienstag aber gegen Kaution freigelassen.

In der Hauptstadt Harare wurden noch vor 6.00 Uhr (MEZ) die ersten Wahlurnen zu den Zählstellen gebracht. Jeder der 120 Wahlkreise des Landes hat eine eigene Zählstelle. Wahlleiter Tobaiwa Mudede schätzte die Wahlbeteiligung auf drei Millionen. Unklar blieb aber, wie viele der 13 Millionen Simbabwesen wahlberechtigt waren, da sich viele nachträglich hatten registrieren lassen. Ursprünglich lag die Zahl der Wahlberechtigten bei 5,6 Millionen. Entscheidend könnten bei einem knappen Wahlausgang nach Angaben südafrikanischer Wahlbeobachter die Stimmen der 70.000 Angehörigen von Militär und Sicherheitskräften sein. Sie dürften "für so manchen eine Überraschung bereit halten", deutete ein Beobachter an.

Schlagstöcke und Tränengas

Entgegen den Protesten der Opposition wurden am Montagabend die Wahllokale geschlossen, obwohl tausende Simbabwesen trotz stunden- oder gar tagelangen Wartens ihre Stimme noch nicht abgeben konnten. Mit Schlagstöcken und Tränengas vertrieb die Polizei die Menschen, die noch immer vor den Wahllokalen Schlange standen. Zuvor hatte es das oberste Zivilgericht des Landes abgelehnt, die Abstimmung nach drei Wahltagen noch einmal um einen Tag zu verlängern.

Die Opposition warf der Regierung von Präsident Robert Mugabe vor, Tausenden das Wahlrecht zu verweigern. Die langsame Abfertigung in den Wahllokalen am Wochenende hatte sie als Verzögerungstaktik der Regierung bezeichnet. Informationsminister Jonathan Moyo wies am Dienstag alle Vorwürfe zurück. Die Regierung hätte gar nicht die Macht zu solchen Manipulationen, erklärte er im staatlichen Fernsehen.

Beobachter führten die Verzögerungen darauf zurück, dass es für die vielen Wähler zu wenig Wahllokale gebe. Die Regierung hatte in der Hauptstadt Harare und anderen großen Städten, in denen Tsvangirai viele Anhänger hat, die Abstimmungsorte stark verringert.

In mehreren Stadtteilen Harares rückte die Polizei am Montagabend an, obwohl die Regierung zuvor zugesagt hatte, alle Wartenden könnten ihre Stimmen abgeben. In Glen Norah standen noch etwa 600 Menschen vor einem Wahllokal Schlange und riefen: "Wir wollen wählen". Tsvangirai rief die Simbabwesen zur Ruhe auf. Konfrontationen mit den Sicherheitskräften müssten vermieden werden, sagte der Oppositionsführer.

Die als richtungsweisend geltende Wahl hätte bereits am Sonntagabend beendet werden sollen, war aber während des großen Andrangs um einen Tag verlängert worden. Die Regierung hatte gegen die Verlängerung protestiert. Schon lange vor dem Abschluss der Wahl gab sie die Wahlbeteiligung bekannt. Danach beteiligten sich in den Hochburgen Mugabes wesentlich mehr Menschen an der Abstimmung als in denen der Opposition. Diese widersprach den von der Regierung vorgelegten Zahlen. Die Wahl galt als erste ernsthafte Herausforderung für Mugabe, der sich seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1980 an der Macht hält und für eine weitere sechsjährige Amtszeit kandidiert.

Die Nichtregierungsorganisation Internationale Krisengruppe (ICG) prangerte massiven Wahlbetrug und Einschüchterung von Wählern durch Regierungsanhänger an. Vor allem in ländlichen Wahlbezirken seien Milizen von Mugabes Partei, der Zanu-PF, aufgezogen, hieß es in einem Bericht. In fast der Hälfte der dortigen Wahlbüros seien keine Vertreter der Opposition als Wahlhelfer gewesen. In vielen Büros auf dem Lande habe sich die Zahl der registrierten Pro-Mugabe-Wähler sprunghaft verdoppelt, obwohl die Wahlbeteiligung eigentlich niedrig gewesen sei.

Der Leiter der südafrikanischen Wahlbeobachter sagte hingegen, die größten Probleme seien gelöst, die meisten Wahlberechtigten hätten ihre Stimme abgeben können. Die USA, Großbritannien und die EU warfen Mugabe vor, er verhindere freie und faire Wahlen. Beobachter aus der EU reisten ab, nachdem ihre Leiter ausgewiesen worden war. (APA/AP/Reuters)

Share if you care.