Geberkonferenz für Mazedonien berät über Finanzhilfen

12. März 2002, 13:26
posten

Nötige Wirtschaftshilfe wird auf 256 Millionen Euro geschätzt - Lage in Mazedonien weiterhin gespannt

Brüssel - In Brüssel hat am Dienstag eine internationale Geberkonferenz für Mazedonien begonnen. Die etwa 40 Geberländer und -organisationen wollen über Finanzhilfen zum Wiederaufbau des Balkanlandes beraten. Sie schätzen den Bedarf Mazedoniens auf 256 Millionen Euro. Experten halten den Betrag für zu gering, um die mazedonische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Geberkonferenz war ursprünglich für den 20. Dezember 2001 geplant, musste aber wegen Meinungsverschiedenheiten im mazedonischen Parlament verschoben werden.

Georgievski: "Neues Kapitel des Wohlstands"

Der mazedonische Ministerpräsident Ljubco Georgievski sagte in Brüssel, die Konferenz sei ein Wendepunkt für sein Land. "Mit dieser Geberkonferenz lassen wir die politische Instabilität hinter uns und öffnen ein neues Kapitel des wirtschaftlichen Wohlstands." Vergangene Woche hatte das Parlament in Skopje das letzte Schlüsselgesetz des Friedensplans verabschiedet, das albanischen Rebellen Straffreiheit zusichert.

Dennoch bleibt die Lage in Mazedonien gespannt. Die Umsetzung des Friedensplans wird noch immer von der NATO-Mission "Amber Fox" begleitet. Die Truppe unter deutscher Führung besteht aus 1.000 Soldaten, das Mandat läuft noch mindestens bis zum Sommer. Bei den Kämpfen in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren wesentliche Teile der Infrastruktur des Landes zerstört worden. 140.000 Menschen verließen ihre Heimat.

Mazedonisches BIP 2001 um fünf Prozent geschrumpft Brüssel

Auch die Wirtschaft ist dringend auf Hilfe angewiesen. EU und Weltbank schätzen, dass das mazedonische Bruttoinlandsprodukt 2001 um fünf Prozent schrumpfte, während Prognosen von einem Wachstum um denselben Wert ausgegangen waren. Westliche Diplomaten erhoffen sich von einer Finanzspritze für Mazedonien eine Stabilisierung der Lage.

Von dem Geld der Geberkonferenz sollen 185 Millionen Euro dafür verwendet werden, den Haushalt für dieses Jahr auszugleichen. Mit weiteren 45 Millionen Euro sollen Häuser, Schulen, Stromnetze wieder aufgebaut werden. 25 Millionen Euro sind dafür eingeplant, die Kosten für die Umsetzung des Friedensplans zu decken. So soll nach dem Friedensplan Albanisch als zweite Amtssprache eingeführt werden.

Nicht-Regierungsorganisationen warnten allerdings davor, dass die Wirkung des Geldes verpuffen könnte, wenn die Korruption in Mazedonien nicht wirksam bekämpft werde. Vertreter von EU und Weltbank versicherten, sie arbeiteten in dieser Frage eng mit den mazedonischen Behörden zusammen.(APA/AP)

Share if you care.