Gefängnisrevolte in Brasilien

11. März 2002, 20:58
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Mindestens sieben Tote

Rio de Janeiro - Mindestens sieben Häftlinge sind in Brasilien bei einer Gefängnisrevolte von Zellenkollegen getötet worden. Nach Angaben der Polizei konnte die Lage in der Anstalt der Gemeinde Osasco im Land Sao Paulo am Montag erst nach mehreren Stunden unter Kontrolle gebracht werden, als eine Eliteeinheit das Gefängnis gewaltlos besetzte. Zwei Häftlinge seien schwer verletzt worden.

Die Unruhen waren den Angaben zufolge am Morgen ausgebrochen, als ein schwer bewaffnetes Verbrecherkommando das Gefängnis zu stürmen versuchte, um Häftlinge zu befreien. Als die Aktion misslang, nahmen die rund 1.100 Insassen acht Angehörige des Wachpersonals als Geiseln, setzten Matratzen in Brand, stachen und prügelten auf Zellenkollegen ein, die sie des "Verrats" bezichtigten.

"Partei des Verbrechens"

Die Polizei geht davon aus, dass die Revolte von der berüchtigten Häftlingsgruppe "Partei des Verbrechens - Erstes Hauptstadt-Kommando" (PCC) zu verantworten ist. Die PCC hatte am 19. Februar Aufstände in mehreren Gefängnissen Sao Paulos organisiert, bei denen insgesamt 15 Insassen ums Leben kamen. Die PCC fordert immer wieder ein Ende "der Unterdrückung in den Gefängnissen". Die Polizei von Sao Paulo wies die Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen in den Gefängnissen zurück. Die PCC wolle nur das Kommando in den Gefängnissen übernehmen, um von dort aus Verbrechen zu organisieren.

Die rund 500 Gefängnisse Brasiliens sind vorwiegend veraltet, dreckig und hoffnungslos überfüllt. Sie wurden für etwa 120 000 Häftlinge gebaut, haben aber mindestens doppelt so viele Insassen. Revolten mit Todesopfern sowie Misshandlungen der Insassen durch das schlecht ausgebildete Wachpersonal sind an der Tagesordnung. (APA/dpa)

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