Milosevic-Prozess: Zeugen berichten von serbischen Gräueltaten

11. März 2002, 20:29
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Kosovo-Albaner schildert Massaker an zwanzig Jugendlichen

Den Haag - Im Prozess gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag haben Zeugen erneut von mutmaßlichen Gräueltaten der serbischen Polizei und Armee berichtet. Ein Kosovo-Albaner schilderte am Montag ein Massaker an rund 20 Jugendlichen nahe der Ortschaft Kotlina im Süden des Kosovo. Serbische Polizisten hätten die jungen Leute auf einen bewaldeten Hügel mit Erdlöchern geführt, die von Dorfbewohnern als Brunnen gegraben worden seien.

"Drei oder vier Jugendliche wurden in die Löcher gestoßen", sagte Hazbi Loku. Die anderen seien etwa eine halbe Stunde lang misshandelt worden. Dann habe er Explosionen gehört und Rauch aus den Löchern aufsteigen sehen. "Von den 20 Jugendlichen war nichts mehr übrig", sagte Loku. Zuvor hätten die Polizisten etwa 400 Frauen und Kinder verjagt und ihre Häuser geplündert und in Brand gesteckt.

Ein weiterer Zeuge sagte aus, Soldaten hätten Bewohner des Dorfes Mamusa im Süden des Kosovo gezwungen, bei der Deportation albanischer Flüchtlinge zur albanischen Grenze zu helfen. Obwohl sich die Bewohner den Anordnungen nicht widersetzt hätten, hätten die Soldaten rund dreißig Häuser angezündet und sieben Bewohner niedergeschlagen. Die Einschüchterungen seien auch fortgesetzt worden, nachdem die Dorfbewohner Busse und Lastwagen zum Transport bereit gestellt hätten.

Milosevic werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kosovo, in Kroatien und in Bosnien zur Last gelegt. Er wird für die Vertreibung von rund 800.000 Kosovo-Albanern und die Ermordung von mindestens 900 Menschen verantwortlich gemacht. Die Anklage rechnet mit einer Prozessdauer von rund zwei Jahren. Der Prozess begann vor fünf Wochen.(APA)

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