Nichts für Tussen

12. März 2002, 12:16
posten

Jasmin Tabatabai steht nicht nur für "Frauenfilme" sondern macht auch Musik. Am Wochenende ist ihr "Indie-Pop" auch in Österreich zu hören.

Ob egozentrisch in "Die Mediocren" oder ruppig in "Bandits" - die Frauenfiguren, die Jasmin Tabatabai verkörpert, haben etwas entscheidendes gemeinsam: Sie lassen sich nicht unterbuttern, zumindest nicht ohne Widerstand. "Es kann sein, dass sich dieser Typus als roter Faden durchzieht: die selbstbewusste Frau. Ich habe lieber so ein Image, als das der Tussi von nebenan", so die Schauspielerin und bekennende Feministin. Jasmin Tabatabai wurde 1967 als jüngstes Kind einer Deutschen und eines Persers in Teheran geboren, ihre Kindheit verbrachte sie im Iran - gut behütet in einer wohlhabenden Teheraner Großfamilie gemeinsam mit 27 Cousins und Cousinen ersten Grades. "Ich hatte eine wunderschöne Kindheit", so Tabatabai. Dennoch kam für sie als Fünfjährige ein Satz, der geprägt hat: "Du bist ein Mädchen, du darfst das nicht." - Für ihren Bruder gab es keine Verbote, was zu zahlreichen Streitereien und Prügeleien zwischen den Geschwistern führte. Jasmin wird zu einem ruppigen Mädchen.

Kulturschock

1979 schickt der Vater aufgrund der Wirren des Bürgerkrieges in Khomeinis "islamischem Gottesstaat" die Familie nach Deutschland. Für Jasmin ein "Alptraum": Ein Wechsel von der geborgenen Großfamilie in eine unbekannte Umgebung. Statt einer Villa eine Mietswohnung. Aber vor allem ein Kulturschock: "Im Iran hatten wir gerade Topfschlagen hinter uns. Meine neuen Mitschüler in der sechsten Klasse tranken bereits Bier, knutschten und rauchten." Gegen Eingliederungsschwierigkeiten half Frechheit und eine große Klappe, was für den Einstieg in die Schauspielerei von Vorteil war.

Von 1988 bis 1992 besuchte Tabatabai die Staatliche Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart. Offensiven Rassismus erfuhr Jasmin Tabatabai zwar selten, aber bereits auf der Stuttgarter Schauspielschule prophezeite ein Dozent: "Mit dem Namen bekommst du nur Ausländerrollen." Tabatabai nahm die Drohung ernst und lehnte alle Angebote in Richtung "die Türkin" ab. Musik war für die junge Schauspielerin damals Mittel zum Aufrichten nach frustrierenden Erfahrungen am Theater, wo "gerade junge Frauen sehr schlecht behandelt wurden".

Vom ersten Theaterengagement in Potsdam kam sie nach Berlin, spielte in Filmen wie "Bandits", "Late Night" oder "Gripsholm". Ihre Rollenwahl begründet Tabatabai mit ihrem Grundsatz: "Ich will dürfen!" So wünscht sie sich "ungewöhnliche, starke, nicht unbedingt toughe Frauen" darzustellen und tut dies auch. Für den Kinofilm "Bandits" schrieb sie auch die meisten Songs. Der Soundtrack wurde später mit "Gold" ausgezeichnet, positives Medienecho gab es dafür aber kaum, auch der Film wurde eher abwertend als "Frauenfilm" abgestempelt. "Wie zickig Katja Riemann ist, wie streng Katja von Garnier, die Schlammwälzszene mit dem Boss-Model, wo sich alle so aufgeregt haben, dass wir die klassische Blondinen-Rolle einfach mal rumgedreht haben, und vor allem: ein Frauenfilm. Aber was wir geleistet haben, das war überhaupt kein Thema", kritisierte Tabatabai in einem Gespräch mit Alice Schwarzer (Emma Nr. 6. 2000).

"Even Cowgirls Get The Blues"

Dabei war das musikalische Engagement von Tabatabai nicht neu: Schon mit ihrer Frauenkapelle "Even Cowgirls Get The Blues", einer Country-Trash-Rock-Band, deren Name auf Tom Robbins´ gleichnamigem Kultroman basiert, der 1993 mit Uma Thurman verfilmt wurde, verstand sie zu rocken. Das Konzept der Band beschreibt Tabatabai folgend: "Alles machen, was Cowboys machen und dadurch die gängigen Mädchenklischees verarschen." Drei CDs und über 150 Konzerte im deutschsprachigen Raum, dann folgt 1997 der Ausstieg bei den "Cowgirls". Musikalisch ging es jedoch weiter. Tabatabais eigenes Label nennt sich "Polytrash".

An ihrem Album "Only Love" hat sie drei Jahre gearbeitet. Die meisten Lieder hat sie selbst komponiert und getextet. "Ich habe keinen einzigen Kompromiss gemacht", betont die Musikerin, die ihren Musikstil als "Indie-Pop" bezeichnet. Belohnt wurde sie vier Wochen nach dem Verkaufsstart Anfang Februar diesmal immerhin bereits mit Platz 24 in den deutschen Charts. Verwunderlich ist dies nicht, denn das Album ist durchaus gefällig: Softer Gitarrenrock, weiche Lyrics - getragen von einer angenehmen Stimme, die teils sehr kraftvoll, aber auch hauchig zu bestechen versteht. Und natürlich ist hier Frauennetworking zu hören: Auch Katja Riemann und Katja von Garnier haben sich eingeschrieben. Nichts für Tussen, sondern für Frauen, die wissen was sie nötig haben und wollen. Am Sonntag präsentiert Jasmin Tabatabai ihr Album live im Wiener B72.

So. 17.3. 22h, B72,
1080 , Hernalser Gürtel-Bogen 72

von Pia Feichtenschlager

Share if you care.