EU-Ranking: Österreich nur auf Rang acht

12. März 2002, 13:18
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Studie der Kommission ergab im Durchschnitt von 60 sozialen und ökonomischen Indikatoren deutlichen Rückstand zu den Spitzenreitern

Brüssel/Wien - Ein für Österreich ernüchterndes Ergebnis liefert eine Erhebung der Europäischen Kommission zur Performance der einzelnen EU-Länder in wichtigen Bereichen der Ökonomie, des Arbeitsmarkts, der sozialen Verhältnisse und des Umweltschutzes. Bei dem Ranking auf der Basis von 60 Indikatoren rangiert Österreich auf dem bescheidenen achten Platz.

An der Spitze der Rangliste liegen Schweden, die Niederlande, Dänemark, Großbritannien und Finnland. Hinter Österreich landen die großen EU-Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien sowie die Südländer Portugal, Griechenland und Spanien. Die Daten wurden von der Kommission für das Jahr 2000 erhoben und werden als Diskussionsbasis für den kommenden Gipfel in Barcelona dienen.

Musterschüler

In einigen Bereichen allerdings gehört Österreich zu den EU-Musterschülern, etwa beim Einsatz erneuerbarer Energien oder den öffentlichen Bildungsausgaben mit Platz zwei bzw. Platz drei von fünfzehn. Auch bei der Arbeitslosenrate schneidet Österreich als "Zweitbester" hervorragend ab.

Nachzügler

Düsterer sieht das Bild dagegen beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und der Arbeitsproduktivität pro Kopf aus, wo Österreich sich mit jeweils Platz elf im hinteren Feld befindet. Der anhaltend hohe Trend zur Frühpensionierung drückt den Anteil älterer Arbeitnehmer so stark, dass es bei der Beschäftigungsquote älterer Personen gar nur für Platz zwölf reicht.

Mit Rang 14 die jeweils schlechteste Platzierungen gibt es für Österreich bei einigen Indikatoren, die den Stand der Liberalisierung in wichtigen Dienstleistungsbereichen abbilden, so etwa bei den Telefontarifen und beim Strompreis. Auch beim Indikator "Neues Kapital von der Börse" gibt es nur den vorletzten Rang. Starken Aufholbedarf hat Österreich auch bei Joint-Venture-Unternehmensgründungen.

Mittelmaß

Für einen "Ökomusterschüler" erstaunlich mittelmäßig sind auch die Ergebnisse bei den Umweltschutzindikatoren. In der Verbesserung der Situation bei den Treibhausgasen gibt es einen siebenten Rang. Platz neun bleibt folglich für die Ozonbelastung; nicht besser steht Österreich da, wenn es um die Aufteilung der Fracht auf Straße und Schiene geht. Eine sehr gute Platzierung gibt es hingegen beim Energiesparen.

Deutlich besser schneidet Österreich bei Indikatoren für die Einkommensverteilung ab. In der Bewertung nach Armutsindikatoren gibt es Rang vier, beim regionalen Disparitätenausgleich allerdings nur Platz acht.

Mit der Rangliste, die jährlich erstellt wird, sollen die Mitgliedstaaten angehalten werden, die Reformen rascher voranzutreiben, damit die EU bis 2010 das beim Gipfel in Lissabon selbst gesteckte Ziel erreichen kann, bis 2010 zum "dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt" zu werden. Beim Gipfel in Barcelona kommenden Frei- tag und Samstag werden die Fortschritte erstmals geprüft. (jost, DER STANDARD, Printausgabe 12.3.2002)

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