Opferhilfe: "Niemand muss zittern"

11. März 2002, 20:38
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Minister Böhmdorfer weist Kritik an seinen Reformplänen zurück

Wien - "Es muss überhaupt niemand zittern. Weder Opferschutzeinrichtungen noch Verbrechensopfer. Wir wollen das derzeitige System für alle Beteiligten verbessern." FP-Justizminister Dieter Böhmdorfer wies Montag die Kritik an seiner geplanten Reform zur Opferhilfe zurück.

Wie berichtet, soll das Subventionssystem grundlegend geändert werden. Derzeit würden mehr als 166 private Hilfsvereine von verschiedenen Ministerien jährlich um Förderungen für ihre Tätigkeiten ansuchen. In Summe etwa 30 Millionen Euro. Künftig soll - nach dem Vorbild der im Dachverein "Neustart" zusammengefassten Bewährungshilfen - ein eigener "Dachverband Opferhilfe" die Koordination der Leistungen übernehmen. Vereine liefen dagegen Sturm, fürchteten um ihre Existenz und vermuteten, Opfer würden keine adäquate Betreuung mehr erhalten.

"Die Vereine sollen ja nicht aufgelöst werden", beruhigte Böhmdorfer. Derzeit gebe es ein "unkoordiniertes Nebeneinander", künftig solle es ein "koordiniertes Miteinander" geben. Was mit den Vereinen passiere, "weiß ich noch nicht", gestand der Minister, doch werde er "alle Vereine zu Gesprächen einladen".

Auch die Opfer müssten keine Angst haben, sich um Hilfe ausnahmslos an einen Wiener Dachverband wenden zu müssen: "Es ist nicht daran gedacht, das System von Lan- desstützpunkten aufzugeben, Opfer sollen weiterhin in ihrer unmittelbaren Umgebung Hilfe erhalten."

Das Justizministerium könne von Rechts wegen derzeit Opferhilfe nur im Rahmen der direkten Prozessbegleitung anbieten (Kostenübernahme für Anwälte und Therapeuten während des Verfahrens), die Zuerkennung von Schmerzensgeld sei Sache der Zivilgerichte, die darüber hinausgehende Opferhilfe sei Sache des Sozialministeriums, und auch das Innenministerium fördere derzeit einzelne Vereine für ihre Tätigkeit. Durch die Schaffung eines "Dachverbandes Opferhilfe" könne ein Großteil der Mittel und Leistungen gebündelt werden, was zum Bürokratieabbau und somit zu einer Effizienzsteigerung der Opferhilfe führe, schloss Böhmdorfer. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.3.2002)

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