Konrad-Lorenz-Preis für Jane Goodall und Erwin Kräutler

11. März 2002, 20:11
1 Posting

"Man kann die Welt nur verstehen, wenn man die Menschen versteht"

Wien - Die britische Affenforscherin Jane Goodall und der aus Vorarlberg stammende, brasilianische Bischof Erwin Kräutler erhielten am Montagabend den diesjährigen Konrad-Lorenz-Preis. Die Auszeichnung wird "für besondere Leistungen zur Erhaltung des Unwiederbringlichen" vergeben und ist mit 21.802 Euro dotiert.

Überreicht wurde der seit 1981 verliehene Staatspreis von Umweltminister Wilhelm Molterer (V). Im Rahmen eines Pressegesprächs sprach Molterer von zwei "herausragenden Persönlichkeiten", die über ihren Tätigkeitsbereich hinaus in der ganzen Welt bekannt seien. Jane Goodall würdigte vor allem Nobelpreisträger Konrad Lorenz, den sie als "guten Freund" in Erinnerung hat. Von der "Aufgabe der Kirche, aus Fehlern zu lernen", sprach Bischof Kräutler: "Die Menschheit kann von den Indianervölkern noch sehr viel lernen." Es sei daher enorm wichtig, das kulturelle Erbe, den Grund und den Boden der Indianer zu retten.

Sowohl Affenforscheirn Goodall als auch Bischof Kräutler bekannten sich klar zu den Menschenrechten und zum Schutz von Minderheiten: "Man kann die Welt nur verstehen, wenn man die Menschen versteht", so Kräutler.

Schimpansen beobachtet

Weltberühmt wurde die heute 68-jährige Jane Goodall wegen ihrer Beobachtungen von Schimpansen im Urwald von Tansania. Mit 23 Jahren kam die gelernte Sekretärin nach Afrika, wo sie auf den bekannten Anthropologen Louis Leakey traf. Dieser erkannte das Potenzial der jungen Frau und engagierte sie für eine Studie über Schimpansen. Und das, obwohl Goodall keinerlei Vorwissen oder akademische Bildung vorweisen konnte.

Heute ist Goodall eine weltweit anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Schimpansenforschung. Bei ihren Auftritten und Vorträgen pflegt die ansonsten stille Frau ihre Zuhörer mit einem gellenden Schrei zu begrüßen. Es ist der Schrei der Schimpansen, die so untereinander Kontakt halten.

Rechte der Indios

Erwin Kräutler ist seit 22 Jahren Bischof der Prälatur in Xingu, dem flächenmäßig größten Bistum Brasiliens. Der aus Koblach in Vorarlberg stammende Geistliche setzt sich vor allem für die Rechte der Indios ein. Mit seinem Engagement machte sich der 62-jährige nicht nur Freunde. 1987 entging er nur knapp einem als Autounfall inszenierten Mordanschlag. Im Oktober 1995 wurde ein Mitarbeiter Kräutlers umgebracht.

Der austro-brasilianische Bischof ist Ordenspriester aus der Kongregation der "Missionare vom kostbaren Blut" und gilt als Vertreter der Befreiungstheologie. Kräutler, bereits mit zahlreichen Preisen und Ehrendoktortiteln ausgezeichnet, galt 1992 als einer der schärfsten Kritiker der 500-Jahrfeier zur Entdeckung Amerikas. (APA)

Share if you care.