Kirch-Sanierungsexperten trafen Gläubigerbanken

11. März 2002, 18:47
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Sanierungsplan in zwei bis drei Wochen

Die drei neuen Sanierungsexperten der KirchGruppe haben am Montag zum ersten Mal mit den Gläubigerbanken die Finanzkrise des angeschlagenen Medienkonzerns diskutiert. Bei dem Treffen in München, das am späten Montagnachmittag begann, gaben die Berater nach Informationen aus Branchenkreisen einen Einblick in die Finanzlage. Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wurde nicht gerechnet. Ein möglicher, konkreter Sanierungsplan dürfte Verhandlungskreisen zufolge in etwa zwei bis drei Wochen stehen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte, bei jeder Lösung müsse der Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund stehen.

Einblick in Kirchs Innenleben

Bei dem Treffen zwischen Beratern und Gläubigern wollten sich die Banken vor allem einen genaueren Einblick in das finanzielle Innenleben der KirchGruppe verschaffen. "Wir müssen erst einmal wissen, was es für Zahlungsverpflichtungen gibt und was auf der anderen Seite rein kommt", hieß es in Finanzkreisen. Die Deutsche Bank, die bei dem Ringen um die Zukunft der KirchGruppe eine Schlüsselrolle spielt, nahm an dem Münchner Treffen nicht teil. Formal kamen laut Branchenkreisen die Gläubiger der Kerngesellschaft KirchMedia zusammen, zu denen die Deutsche Bank nicht gehört. Auch die Dresdner Bank war dem Vernehmen nach nicht dabei.

Bei einem möglichen Sanierungsplan dürfte der Verkauf einer ganzen Reihe von Unternehmensteilen erwogen werden. Zur Disposition stehen laut Branchenspekulationen neben der Beteiligung am Springer-Verlag unter anderem die Mehrheit an der Formel 1 und am Bezahlsender Premiere World. Ein Verkauf des Deutschen Sportfernsehens DSF steht dagegen laut Branchenkreisen derzeit nicht zur Debatte. Ein Kirch-Sprecher kommentierte die Spekulationen am Montag nicht. Bei der Restrukturierung sollen die Anwälte Wolfgang van Betteray (Düsseldorf) und Klaus Hubert Görg sowie Unternehmensberater Hans-Joachim Ziems (beide Köln) helfen.

Kein Nachgeben

Unmittelbar vor dem Treffen der Berater mit Gläubigerbanken hatte die KirchGruppe bekräftigt, im Streit mit dem Axel Springer Verlag nicht nachzugeben. Die Verkaufsoption, auf die sich Springer berufe, habe keine wirksame Vertragsgrundlage, sagte ein Kirch-Sprecher. Der Springer-Verlag will wie im Jahr 2000 vereinbart seine Beteiligung an ProSiebenSAT.1 für 767 Millionen Euro verkaufen. Berichte über einen angeblichen Insolvenzantrag von Springer für die KirchGruppe seien verwunderlich, sagte der Sprecher. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" hatte berichtet, Springer erwäge einen Insolvenzantrag für die KirchGruppe, falls Kirch bis zum Ablauf der Optionsfrist Ende April die 767 Millionen Euro nicht überweise. (APA/dpa)

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