D & D, notorische VP-Querredner

12. März 2002, 09:43
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Niederösterreichs AK-Vize Alfred Dirnberger und Tirols AK-Chef Fritz Dinkhauser kämpfen um Platz eins im Rebellenranking

Wien - Der eine, Fritz Dinkhauser, droht mit Abspaltung von der ÖVP. Der andere, Alfred Dirnberger, urgiert drohend seine Wunschversion der Abfertigung. Kurz: D & D sind wieder da. Und zeigen der ÖVP erneut, was innerparteiliche Quälgeister sind.

Ob es die Ambulanzgebühr ist oder der Umbau der Sozialversicherung, die Unfallrentensteuer oder die Pensionsreform - egal, wo die ÖVP im Sozialbereich wie spart, D & D sind dagegen. Das liegt einerseits in ihrer Funktion: Dinkhauser ist (mächtiger) Arbeiterkammerpräsident in Tirol, Dirnberger (viel weniger mächtiger) AK-Vizepräsident in Niederösterreich. Und als Arbeitnehmervertreter finden beide, dass die ÖVP "Arbeitnehmerinteressen am Altar politischer Willkür opfert".

Die Formulierung ist von Dirnberger, so redet er gerne. Sie könnte auch von Dinkhauser sein. Liegt doch das notorische Querreden des Duos auch in deren Persönlichkeitsstruktur: Niemals beschwichtigen, wenn man eskalieren kann, nie vorsichtig formulieren, wenn man poltern kann, Harmoniesucht anderen überlassen. "Krach muss geschlagen sein", zitiert Dirnberger gern Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler.

Resonanz für Krach

Und für das Ausmaß an Krach, das beide schlagen, bietet das eigene Bundesland zu wenig Resonanzraum: Dinkhauser hat zwar im Obmannstreit der Tiroler VP mitgespielt, lieber noch mischt er in der Bundespolitik mit. Gibt zu jeder Koalitionskrise seinen Senf dazu, mahnt Wolfgang Schüssel. "Mit Kritik an Parteifreunden kommt man leicht in die Medien", attestiert etwa ÖAAB-Chef (und damit Dinkhauser-Chef) Werner Fasslabend den Parteirebellen Profilierungswünsche.

Hoch hinaus wollen beide auch in ihren Hobbys: Dirnberger ist Flieger, Dinkhauser war Spitzensportler: 1968 als Bobfahrer in der Olympiamannschaft, mehrmals Tiroler Hammerwerf-Meister. Wie im Sport wetteifern die beiden in der Politik um Platz 1 - wer der größte Widerpart zur eigenen Partei ist. Vergangenen Sommer war der 51-jährige Dirnberger vorne. Mit seiner Kritik am Hauptverbands- Umbau und seiner Teilnahme an der ÖGB-Demo schrammte er am Parteiausschluss vorbei und schaffte es, von Andreas Khol gewürdigt zu werden - als "siebter Zwerg von links".

Derzeit führt der 62-jährige Dinkhauser im Ranking des lästigsten ÖVP-Mitgliedes, mit seiner Drohung der eigenen Liste. Dirnbergers Abfertigungssager verblasst dagegen. Aber er wird sicher wieder etwas zum Kritisieren finden. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.3.2002)

Von Eva Linsinger
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