Enschede-Prozess: Staatsanwalt fordert Haftstrafen für Direktoren

11. März 2002, 17:22
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Angeklagte hätten bewusst gegen Umweltbestimmungen verstoßen

Almelo - Im Prozess um die Feuerwerkskatastrophe in der niederländischen Stadt Enschede hat die Staatsanwaltschaft am Montag für die beiden Angeklagten 15 bis 30 Monate lange Haftstrafen gefordert. Ein Drittel davon soll zur Bewährung ausgesetzt werden.

Nach Ansicht der Anklage haben die beiden Direktoren der Feuerwerksfabrik, Ruud Bakker und Wim Pater, bewusst gegen Umweltbestimmungen verstoßen und seien deshalb schuld an der Katastrophe vom 13. Mai 2000. Bei der Explosion der Fabrik S.E. Fireworks waren 22 Menschen getötet und hunderte verletzt worden. Ein ganzes Wohnviertel wurde verwüstet.

15 Monate

Ruud Bakker soll mit 30 Monaten Gefängnis - zehn Monate davon auf Bewährung - bestraft werden und eine Geldbuße von 61.000 Euro zahlen. Für Wim Pater plädierte die Anklage auf insgesamt 15 Monate Haft, davon fünf Monate auf Bewährung. Bakker und Pater hätten den Brand zwar nicht gelegt, seien aber für die schnelle Ausbreitung und den Umfang der Explosionen verantwortlich, sagte Staatsanwalt Arie de Muy vor dem Gericht in Almelo. "Sie sind auf schändliche Weise mit der Sicherheit der Anwohner umgegangen." Man könne ein Unternehmen nicht "nach Herzenslust" ausweiten und erst hinterher die Genehmigung beantragen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eingeräumt, dass 160 Tonnen Feuerwerk auf dem Gelände lagerten. Bisher war sie von 170 Tonnen ausgegangen. Bakker und Pater hätten aber dennoch sehr viel größere Mengen Feuerwerk mit einer viel zu hohen Sprengkraft gelagert, als erlaubt war. Die Anklagevertreter kritisierten auch die Behörden von Enschede. Sie hätten den Betrieb nicht angemessen kontrolliert. Die Verteidigung wird am Mittwoch und Donnerstag ihre Plädoyers halten. Das Urteil wird am 2. April erwartet. (APA/dpa)

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