"Bushs Pudel" wieder brav bei Fuß

12. März 2002, 10:33
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Blair schwört die Briten auf einen Krieg gegen den Irak ein - Zerreißprobe für Labour

Anders als ihre europäischen Partner scheinen die Briten zunehmend entschlossen, Amerika in einem eventuellen Krieg gegen den Irak zur Seite zu stehen. Premier Tony Blair, der sich Montag von US-Vizepräsident Dick Cheney über die Pläne unterrichten ließ, wird immer mehr zu einem Sprecher der USA - eine Rolle, die er schon vor dem Militärschlag gegen Afghanistan spielte und die ihm unlängst den Spitznamen "Bushs Pudel" (The Mirror) einbrachte.

"Schnelles Handeln angezeigt"

Noch im Herbst hatte Blair vor übereilten Aktionen gewarnt, mit der Begründung, eine irakische Spur zum 11. September sei nicht erwiesen. Seit Februar schlägt er andere Töne an: "Wir dürfen nicht den gleichen Fehler machen wie in Afghanistan." Am Hindukusch habe die Welt tatenlos zugesehen, wie sich Terroristen ein Nest bauten. Im Falle Saddams sei schnelles Handeln angezeigt: "Wenn er Massenvernichtungswaffen in seinen Händen hält, müssen wir etwas tun."

Anfang April wird Blair den amerikanischen Präsidenten George W. Bush auf dessen Ranch in Texas besuchen, und schon jetzt geistern Gerüchte über ein starkes britisches Truppenkontingent durch die Presse. Washington habe London um 25.000 Soldaten für einen Angriff auf das Zweistromland gebeten, wusste die Sonntagszeitung Observer zu vermelden - ein Kabinettssprecher dementierte sofort.

Zerreißprobe für Labour

An der Heimatfront jedenfalls sieht Blair stürmischen Zeiten entgegen. Im Unterhaus macht sich Unmut breit, vor allem auf den Hinterbänken der Regierungspartei. Mehr als 60 Labour-Abgeordnete gaben ihr "tiefes Unbehagen" über Englands Beteiligung an einem neuen Golfkrieg zu Protokoll. Eine Minderheit angesichts der 413 Sitze der Sozialdemokraten, aber eine Minderheit, die Blair Sorgen macht.

Tam Dalyell, scharfzüngiger Parlamentsveteran, fordert ein Votum im House of Commons: Ohne einen Beschluss des Unterhauses dürfe der Premierminister keinen "neuen Weltkrieg" entfesseln. Selbstverständlich ist dies im Inselreich nicht; über Fragen von Krieg und Frieden kann die Regierung allein befinden.(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 12.3.2002)

Standard-Mitarbeiter Frank Herrmann aus London
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