Bankengipfel bei Kirch

11. März 2002, 14:37
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Beratungen zu vorläufigem Rettungsplan - Kirch gibt im Streit um Springer nicht nach - Grüne: Stoiber entzieht sich Verantwortung für Kirch-Desaster

Die Gläubigerbanken und die hoch verschuldete deutsche Kirch-Gruppe sind am Montag zu Beratungen über die Finanzlage des Konzerns zusammengetroffen. Das verlautete aus Frankfurter Bankenkreisen.

Rettungsplan

Laut "Wall Street Journal" wollen die Berater des Medienkonzerns in München einen vorläufigen Rettungsplan präsentieren. Mit konkreten Entscheidungen zur langfristigen Sanierung sei jedoch nicht zu rechnen. Die Kirch-Gruppe lehnte bisher jede Stellungnahme zu Gesprächen mit den Banken ab.

Die Banken wollten Kirchs Übersicht als Basis für das weitere Vorgehen nutzen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Branchenkenner. Die Auswertung der Informationen werde jedoch wahrscheinlich drei bis vier Wochen dauern. In den bisherigen Verhandlungen hätten die Banken Fortschritte gemacht, eine Einigung sei indes noch nicht in Sicht.

Lokalsender abgeben

Finden die Banken keinen gemeinsamen Kurs für ein neues Kreditkonzept, könnte die von der HypoVereinsbank (HVB) angestoßene Stabilisierung des Konzerns erneut ins Wanken geraten.

Zu Kirchs Gläubigern zählen neben der HVB die Bayerische Landesbank (BayernLB, die Commerzbank und DZ Bank. Der Konzern hat nach eigenen Angaben 6,5 Mrd. Euro Schulden, im "Wall Street Journal" war von 8 Mrd. Euro die Rede. Hinzu kämen rund 5 Mrd. Euro an weiteren Verbindlichkeiten.

Nach Medienberichten vom Wochenende will Kirchs Chef-Berater Wolfgang van Betteray das Kreditvolumen auf 4 Mrd. Euro senken. Dazu müssten zahlreiche Stellen gestrichen sowie defizitäre Lokalsender in München, Berlin und Hamburg abgegeben oder eingestellt werden (etat.at berichtete). Zudem könnten Konzernteile veräußert werden, die nicht zum Kerngeschäft zählen.

Verwunderung über angebliches Insolvenzantrag

Im Streit mit dem Axel Springer Verlag will die KirchGruppe indes nicht klein beigeben. Es gebe keine wirksame Vertragsgrundlage für die Verkaufsoption des Springer Verlages an dem Fernsehkonzern ProSiebenSAT.1, bekräftigte ein Sprecher der KirchGruppe am Montag. Berichte über einen angeblichen Insolvenzantrag von Springer für die KirchGruppe seien daher verwunderlich. "Das können wir nicht nachvollziehen", sagte er.

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" hatte berichtet, Springer erwäge einen Insolvenzantrag für die KirchGruppe, falls Kirch bis zum Ablauf der Optionsfrist Ende April nicht 767 Mill. Euro für Springers Anteil an der ProSiebenSAT.1 Media AG überweise.

Politikum

Das Kirch-Finanzdebakel ist in Deutschland auch ein Politikum. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) entzieht sich nach Ansicht der Landtags-Grünen einer Mitverantwortung für die Geldprobleme der KirchGruppe. Die Staatsregierung habe das "Desaster" des Medienkonzerns mit herbeigeführt und sei nun abgetaucht, sagte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Emma Kellner am Montag. Die Regierung solle nun dem Landtag berichten, welche Folgen ein Zusammenbruch der KirchGruppe für Bayern haben könne. (APA/AP/dpa)

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