Pflege und Betreuung wird wieder reine Frauensache

11. März 2002, 14:26
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ÖGB-Frauen kritisieren fehlende finanzielle Absicherung bei Sterbekarenz

Wien - Kritik an der fehlenden finanziellen Absicherung bei der von der Regierung Ende vergangener Woche beschlossenen Sterbekarenz kommt von den ÖGB-Frauen. "Kommt die Karenz ohne Bezahlung, wird die Pflege und Betreuung schwerstkranker Angehöriger wieder als reine Frauensache betrachtet werden", warnt ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits.

Schere zwischen arm und reich, weiblich und männlich

Enttäuscht zeigen sich die ÖGB-Frauen von Staatssekretär Reinhart Waneck (F). Dieser habe noch im Jänner gemeint, die Verhandlungen mit dem Finanzminister liefen auf Hochtouren, um die "Sterbekarenz auf gesunde finanzielle Beine zu stellen". Nach der Regierungsklausur scheine nun aber die Einführung der Sterbekarenz ohne finanzielle Absicherung der Karenzierten fix, so Csörgits.

Mit einer unbezahlten Karenz leiste die Regierung alles andere als einen Beitrag zur Chancengleichheit. "Denn Frauen verdienen im Normalfall weniger, weshalb sich die Familien im Notfall für den Wegfall des Fraueneinkommens entscheiden werden", erklärt Csörgits. Gäbe es eine finanzielle Absicherung, wäre dies auch ein Anreiz für Männer, die Karenz in Anspruch zu nehmen. Zudem wäre die Karenz dann auch für Familien, die weniger gut verdienen, leistbar.

Eigenes Modell

Die ÖGB-Frauen haben selbst ein Modell zur finanziellen Absicherung bei der Familienhospizkarenz erarbeitet. Sie treten für eine einkommensabhängige Entschädigung ein. Ein Sockelbetrag sollte dabei aus dem Familienlastenausgleichsfonds entnommen werden, ein zweiter, einkommensabhängiger Anteil aus der Arbeitslosenversicherung.
(APA)

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