Hepatitis C: Millionen-Klage gegen Unternehmen

11. März 2002, 14:06
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Wiener Ehepaar infizierte sich laut Klagschrift beim Plasmaspenden

Wien - Nachdem der Wiener Rechtsanwalt Hans Otto Schmidt bereits für 270 PatientInnen, die sich in den Räumlichkeiten einer Hoechst-Tochterfirma beim Plasmaspenden mit Hepatitis C infiziert hatten, vorerst mehr als 9,45 Millionen Euro an Entschädigung erstritten hat, hat der Anwalt nun eine weitere Firma im Visier:

Im Namen von Alfred P. hat Schmidt eine Klage gegen eine oberösterreichische Firma eingebracht. Der 43-jährige Wiener Hauswart ist überzeugt, sich Anfang der achtziger Jahre beim Rechtsvorgänger des Betriebs mit Hepatitis C angesteckt zu haben.

Über Risiken nicht aufgeklärt

Zwei Mal pro Woche suchte damals Alfred P. mit seiner Frau die Plasmapherese-Stelle in Wien-Hernals auf. Nach seiner Darstellung wurden sie dabei nie über allfällige Risiken beim Spenden aufgeklärt. Die hygienischen Bedingungen hätten nicht der ärztlichen Kunst entsprochen, ein geschlossenes System der Plasmapherese, das eine Ansteckung durch andere, bereits infizierte SpenderInnen verhindert hätte, gab es nicht, macht der Kläger geltend.

1993 wurden bei dem Mann erhöhte Leberwerte festgestellt. Zwei Jahre später hat er von seiner Erkrankung erfahren. Seither steht er in ständiger Behandlung, leidet unter einer starken Minderung seiner Leistungsfähigkeit, Konzentrationsstörungen und extremer psychischer Belastung. Im September 2001 bekam Alfred P. von der AUVA eine Versehrtenrente zuerkannt.

Vertragliche Sorgfaltspflicht verletzt

Erst 1999 hatte er das Plasmaspenden mit seiner Krankheit in kausalen Zusammenhang gebracht. Nun verlangen er und seine Frau Schmerzensgeld - auch die 37-Jährige hat sich infiziert, doch ist bei ihr die Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten. In der Plasmapherese-Stelle sei zweifellos die "vertragliche Sorgfaltspflicht" verletzt worden, heißt es in der Klagschrift.

Hans Otto Schmidt hat für Alfred P. vorerst eine Summe von 72.667 Euro - was einer Million Schilling entspräche - eingeklagt. Für seine Ehefrau möchte er die Hälfte ausbezahlt bekommen. Die Rechtssache ist beim Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen (ZRS) anhängig. (APA)

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