Kirch "verwundert" über Insolvenzdrohung durch Springer

11. März 2002, 13:22
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Klage wegen Vertragsbruch gegen Paramount und Universal

Die KirchGruppe, Ismaning, hat einen Bericht des Nachrichtenmagzins "Der Spiegel" über einen angeblichen Insolvenzantrag für Kirch seitens der Axel Springer Verlag AG, Berlin, mit Erstaunen quittiert (siehe dazu: Kirch droht ein Insolvenzantrag - Springer-Verlag bereitet Verfahren vor). Die KirchGruppe habe dies mit "Verwunderung" zur Kenntnis genommen, erklärte Sprecher Hartmut Schultz am Montag auf Anfrage. Ein solcher Schritt könne Ende April erfolgen, falls Kirch bis dahin nicht 767 Mill. Euro für Springers Anteil an der ProSiebenSAT1 Media AG, Unterföhring, überweise, heißt es in dem Bericht.

Put-Option nicht vertraglich vereinbart

Eine Put-Option für den ProSieben-Anteil ist nach Angaben von Schultz aus Sicht der KirchGruppe vertraglich nicht vereinbart worden. Die deshalb seit Wochen von der KirchGruppe angedrohte Feststellungsklage sei aber bisher nicht eingereicht worden.

Zu möglichen Gesprächen zwischen dem mit 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Münchner Medienunternehmen und dem Berliner Verlagshaus wollte sich der Sprecher nicht äußern. Springer-Sprecherin Edda Fels hatte zuvor erklärt, der Verlag sei "an einer konstruktiven Lösung, nicht an einer destruktiven Lösung mit der Kirch-Gruppe interessiert".

Klage wegen Vertragsbruch gegen Paramount und Universal

Kirch-Sprecher Schultz dementierte einen Bericht des Magazins "Focus", wonach die KirchGruppe ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Produktionsstudios in Hollywood nicht nachkomme. Es sei erst kürzlich eine Zahlung an Paramount erfolgt, sagte Schultz. Laut "Focus" verpflichten laufende Filmrechte-Verträge für Premiere Kirch zu Zahlungen von jährlich 300 Mill. Euro. Allerdings klage Kirch wie bereits bekannt wegen Vertragsbruch gegen die US-Filmstudios Paramount und Universal, fügte Schultz hinzu. Sie liefern seinen Angaben zufolge nicht wie im so genannten Out-Put-Deal vereinbart Kinofilme, sondern TV-Movies und Serien.

Zu dem am Berichtstag anberaumten Termin mit den Gläubigerbanken, denen der von Kirch berufene Wirtschaftsanwalt Wolfgang von Betteray Auswege aus der Finanzkrise bei Kirch vorstellen wird, wollte sich Schultz nicht äußern. In Münchner Branchenkreisen hieß es jedoch, man solle an den Termin nicht zu viel "Erwartung" knüpfen. (APA)

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