Israelische Armee nimmt in Flüchtlingscamp 600 Palästinenser fest

11. März 2002, 21:18
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Peres kritisiert israelische Luftangriffe

Jerusalem/Gaza/Brüssel - Die israelische Armee hat am Montag im Flüchtlingslager Daheishe im Westjordanland etwa 600 Palästinenser festgenommen. Die Gefangenen mussten ihre Jacken und Hemden ausziehen und sie in Plastiksäcke legen. Ihre Hände wurden gefesselt, ihre Augen verbunden. Anschließend wurden sie in ein Lagerhaus gebracht - nach Augenzeugenberichten zusammen mit rund hundert weiteren Palästinensern, die im nahe gelegenen Dorf Artas festgenommen worden waren. Ein Armeesprecher hatte zuvor mitgeteilt, die Besetzung des Lagers diene der Beschlagnahme von Waffen und der Festnahme von "Terroristen".

Peres fordert Ende der Bombardements

Außenminister Shimon Peres kritisierte im Armeerundfunk die israelischen Luftangriffe der vergangenen Wochen gegen palästinensische Ortschaften. Er sprach sich stattdessen für den Dialog mit den Palästinensern aus. Die Bombardements müssten gestoppt werden, da sie das Bild Israels im Ausland schwer beschädigten. Zum Einmarsch israelischer Soldaten in palästinensische Flüchtlingslager sagte Peres: "Wenn es von mir abhinge, würde ich zögern, solche Entscheidungen zu treffen und es nur tun, wenn es wirklich keine andere Wahl gäbe".

Zugleich sprach sich der Außenminister dafür aus, einen möglichen Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien von US-Beobachtern überwachen zu lassen. Eine entsprechende Maßnahme könnte nach Peres' Worten das Ergebnis des Besuchs von Anthony Zinni in der Region sein. Der US-Sonderbeauftragte für den Nahen Osten wird dort im Laufe der Woche erwartet.

Toter Palästinenser geborgen

In der Nähe der jüdischen Siedlung Nezarim südlich von Gaza wurde am Montag die Leiche eines Palästinensers geborgen. Er war nach palästinensischen Angaben am Sonntagabend von israelischen Soldaten angeschossen worden und erlag später seinen Verletzungen, weil die Soldaten einem palästinensischen Krankenwagen untersagten, zu dem Opfer zu fahren.

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer begrüßte die neue US-Mission zur Vermittlung im Nahost-Konflikt. Die Entsendung Zinnis in die Region sei von "großer Bedeutung", sagte er am Montag beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. Zugleich mahnte Fischer zur Lösung des Konflikts eine enge Zusammenarbeit zwischen den USA und der Europäischen Union an. Um aber "die Tragödie, die Blutbäder" zu beenden, müssten umgehend Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien aufgenommen werden. In diesem Zusammenhang begrüßte Fischer die jüngste Kehrtwendung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon. Unter amerikanischem Druck hatte Sharon am Freitagabend seine Bedingung fallen gelassen, erst nach einer einwöchigen Feuerpause mit den Palästinensern über eine Waffenruhe verhandeln zu wollen.(APA/AP)

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