"Hinken USA vier Jahre hinterher"

11. März 2002, 14:38
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In der europäischen Chemieindustrie stehen Unternehmens -konzentrationen bevor

Wien - Die Chemieindustrie in der EU hinkt der US-Konkurrenz strukturell um gut vier Jahre hinterher. Fusionen und Übernahmen, wie sie die US-Chemiebranche seit Jahren prägen, greifen zusehends auf Europa über. Auch die Aktivitäten in Österreich bleiben davon nicht verschont: "Die Entwicklung der chemischen Industrie Österreichs wird in den kommenden Jahren vor allem durch eine wachsende Unternehmenskonzentration geprägt sein". Zu diesem Schluss kommt Günter Wolf von der Bank Austria Creditanstalt-Konzernvolkswirtschaft in seinem jüngsten Branchenbericht Chemie. Die westeuropäische Chemieindustrie ist im Vergleich zur US-Konkurrenz immer noch vier Jahre im "strukturellen Rückstand", wie die Bank Austria fest stellt.

Im Jahr 2001 seien bereits fast zwei Drittel aller großen Deals über 400 Mill. US-Dollar (456 Mill. Euro) in Europa abgeschlossen worden. Die größte Fusion in dem Sektor - mit einem Wert von rund 10 Mrd. Dollar zwischen Dow Chemicals und Union Carbide - lief allerdings noch in den USA.

Umsätze schrumpfen

Österreichs Chemieindustrie konnte im Jahr 2001 zwar ihre Produktion um 3,2 Prozent anheben, der anhaltende Preisdruck ließ die Umsätze im weltweit konjunkturschwachen Vorjahr allerdings um 3 Prozent schrumpfen.

Auch beim Produktionszuwachs konnte die Branche damit nicht mehr an die kräftigen Zuwächse der letzten Jahre anschließen. Die Chemieproduktion ist zwischen 1998 und 2000 um fast 9 Prozent pro Jahr gestiegen. Auf Grund sinkender Preise ist der Branchenumsatz 2001 um rund drei Prozent auf 6,3 Mrd. Euro gesunken, blieb damit aber eine "Schlüsselindustrie". Im Branchendurchschnitt konnten konjunkturbedingt die Lohnkostensteigerungen nicht durch Preissteigerungen beziehungsweise Produktivitätssteigerungen gedeckt werden, worunter die Unternehmenserträge gelitten haben.

Optimismus macht sich breit

Die Konjunktur in der chemischen Industrie legte eine "kurze Pause" ein, meinen die Bankvolkswirte. Die Unternehmer würden jetzt aber bereits optimistischer, das zeigten sowohl die Ergebnisse der Konjunkturbefragung Anfang 2002 als auch die Beschäftigungsdaten. So ist im Jänner die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche um mehr als 3 Prozent auf rund 30.600 gestiegen. Damit ist die chemische Industrie derzeit eine der wenigen Industriebranchen mit Beschäftigungszuwachs in Österreich.

Es brauche sicher noch einige Monate bis die Chemie wieder kräftigere Nachfragezuwächse verbuchen kann. Mittelfristig gehören vor allem die Sparten Kunststofferzeugung, die Pharmaindustrie und darunter das Biotechnologiesegment zu den Umsatzgewinnern.

Kräftige Strukturanpassungen

Die Chemie hat wie viele andere Industriebranchen in Österreich im Lauf der 90er-Jahre kräftige Strukturanpassungen hinter sich gebracht und zahlreiche Betriebe geschlossen: Zwischen 1996 und 2001 insgesamt 8 Prozent. Gleichzeitig blieb die Zahl der Beschäftigen in der Branche in etwa konstant und die Umsätze sind kräftig gestiegen. Seit 1996 um insgesamt 24 Prozent. Die Chemie konnte also ihre zentrale Position in der heimischen Industrielandschaft halten.

Produktion und Umsatz der heimischen Chemie wachsen seit Jahren im selben Tempo wie der EU-Durchschnitt. Rund die Hälfte der Unternehmen in Österreich beschäftigt weniger als 10 Mitarbeiter, aber nur 7 Prozent mehr als 250. Die Chemie konnte beeindruckende Exportzuwächse für sich verbuchen und das Außenhandelsdefizit sukzessive verringern. Exporterfolge in den USA und in Osteuropa sind Grund dafür, welche 8 bzw. 21 Prozent der österreichischen Exporte mit Chemiewaren ausmachen.(APA)

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