Westenthaler ortet "dubiose" Vorgänge bei Direktorenbesetzung

11. März 2002, 23:31
5 Postings

Kritik an Bestellung von Gall als Technischen Direktor - "Handlungsbedarf" bei Gehältern

FPÖ-Klubchef und Mediensprecher Peter Westenthaler ist mit der bisherigen Performance der neuen ORF-Führung unzufrieden. Das Geschehene sei "dürftig", meinte er bei einer Pressekonferenz Montag Vormittag. Wenn es so weiter gehe, werde das neue Privatfernsehen früher beide Beine am Boden haben als der ORF. Störend sind für Westenthaler vor allem die geplante Höhe der ORF-Spitzengehälter sowie "dubiose" Vorgänge rund um die Bestellung des Technischen Direktors.

Brief für Stiftungsräte

Seine Bedenken hat der freiheitliche Klubchef nun in einem Brief gebündelt, den er den Stiftungsräten vor deren Sitzung zukommen lässt, bei der die noch fehlenden Direktoren bestellt werden sollen. Erster Kritikpunkt sind die Gehälter, wo offenbar keine Änderungen geplant seien. Demnach erhielte Generaldirektorin Monika Lindner ein Jahres-Salär von 545.046 Euro, die Fach-Direktoren 399.701 Euro und die Landesintendanten 261.622 Euro. Bliebe es tatsächlich dabei, entstünden sogar höhere Kosten als bisher, verwies Westenthaler darauf, dass es nunmehr einen Direktorposten mehr gebe.

Sonderregelungen abschaffen

Für den Klubchef ist klar, dass hier Handlungsbedarf besteht: "Mehr Fantasie in Richtung mehr Bescheidenheit" sei gefragt. Unter dem Schlagwort "Entprivilegisierung" will Westenthaler auch einige Sonderregelungen für ORF-Mitarbeiter abgeschafft wissen. Dabei denkt er etwa an die begünstigte Abfertigung (nach 2 Jahren schon 2 Monatsentgelte) oder an Kinder- und Familien-Zulagen. Für den Klubchef gibt es für diese Extras keinen Grund mehr, habe doch die Regierung eben erst Reformen wie die Abfertigung neu und das Kindergeld beschlossen.

Gall unterliege der "Unvereinbarkeit"

Empört ist Westenthaler über die Rahmenbedingungen der anstehenden Wahl des Technischen Direktors. Konkret bezieht er sich darauf, dass der favorisierte Kandidat Andreas Gall eigentlich einer Unvereinbarkeit unterliege (siehe dazu: Daumen für Direktor). Um dies zu umgehen, werde aber offenbar dessen Firma Mondocom gleich mitgekauft - und dies obwohl der ORF über ausreichend gutes technisches Personal verfüge: "Das sind schon Vorgänge, die dubios sind". Immerhin hätten sich auch andere geeignete Kandidaten für den Posten beworben.

Als Forderung an die Stiftungsräte, von einer Wahl Galls abzusehen, will Westenthaler seine Kritik nicht verstanden wissen. Vielmehr handle es sich bei seinem Brief um einen Diskussionsbeitrag. Schweigen werde er als freiheitlicher Mediensprecher jedenfalls weiterhin nicht, wenn es etwas zu sagen gebe: "Nur weil eine neue Führung da ist, heißt das nicht, dass unsere Kritik verstummt". (APA)

Share if you care.