Tricky Oscar

11. März 2002, 15:23
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Ob eigenes Genre oder nur eine Technik, darüber kann man streiten. Fest steht: Der Trickfilm wird Oscar-Kategorie

Los Angeles - Viele Kinobesucher haben sie so lieb gewonnen wie Schauspieler aus Fleisch und Blut: die vom Computer geschaffenen Ungeheuer, Insekten oder Spielsachen aus Kinofilmen wie "Shrek", "Die Monster AG", "Das große Krabbeln" oder "Toy Story". Das wird jetzt auch von der Oscar-Akademie gewürdigt. Dieses Jahr gibt es den begehrten Filmpreis erstmals in der Kategorie bester Trickfilm, worunter auch Zeichentrickfilme fallen. Der Grund dafür: Das Genre erzielt Spitzeneinnahmen.

Und die Kassen bei den nominierten Filmen klingeln

Die drei nominierten Filme "Shrek", "Die Monster AG" und "Jimmy Neutron: Boy Genius" spielten zusammen allein in den USA 600 Millionen Dollar (685 Mill. Euro) ein. "Shrek" ist mit 267,7 Millionen Dollar nach "König der Löwen" mit 313 Millionen Dollar der bisher zweiterfolgreichste Trickfilm aller Zeiten. "Die Monster AG" steht mit 252 Millionen Dollar auf Platz drei.

"Animationsfilme werden nicht so ernst genommen"

Die Akademie hat bereits früher einige Animationsfilme mit den begehrten Preisen ausgezeichnet, meist jedoch nur in der Musik-Kategorie. "Animationsfilme werden nicht so ernst genommen wie normale Filme. Man meint, sie seien eher für Kinder", sagt John Lasseter, der kreative Kopf der Firma "Pixar Animation", die zusammen mit Walt Disney "Die Monster AG", "Toy Story" und "Das große Krabbeln" produziert hat. Dabei hätten Trickfilme das gleiche Ziel wie alle anderen Filme: das Publikum gut zu unterhalten.

"Gettoisierung"?

Während sich die meisten Trickfilmmacher über die neue Oscar-Kategorie freuen, sehen einige darin eine "Gettoisierung". Zwar bleiben animierte Filme in allen Kategorien wählbar, doch meinen viele, die Akademiemitglieder würden einen Trickfilm nur mehr für die eigene Kategorie nominieren.

"Trickfilm ist eine Technik"

"Trickfilm wird als Genre gesehen, tatsächlich ist es aber eine Technik", sagt der Regisseur von "Der Prinz von Ägypten", Simon Wells. "Ich finde es eigenartig, dass eine Technik als eigene Filmart herausgenommen wird." Bisher wurde "Die Schöne und das Biest" 1991 als einziger Trickfilm jemals für die Kategorie bester Film nominiert. Einen speziellen Oscar erhielt "Schneewittchen und die sieben Zwerge" als erster Trickfilm in Kinolänge und "Toy Story" als erster voll computeranimierter Kinofilm.

Stigma des "animierten Films"

"Shrek" wäre erfolgreich genug gewesen, um eine Nominierung für den besten Film zu erhalten - gäbe es jetzt nicht die Trickfilm-Kategorie. Der Ko-Regisseur von "Shrek", Andrew Adamson, wünscht sich, dass es das Stigma des "animierten Films" eines Tages nicht mehr gibt. (APA/AP)

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