Raus aus dem "Menschen-Gewusel"

11. März 2002, 11:41
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Ein schwer erfüllbarer Wunsch: Denn Maria Lassnig erhält einen Preis nach dem anderen - diese Woche den Roswitha Haftmann-Preis

Wien - "Ich habe von diesem Preis nichts gewusst. Als ich angerufen wurde, bin ich fast auf den Hintern gefallen." Maria Lassnig lacht. Die wichtigste österreichische Malerin der Gegenwart nimmt am Donnerstag (14.3.) im Kunsthaus Zürich den Roswitha Haftmann-Preis entgegen. So wenig bekannt der erst zum zweiten Mal vergebene Preis in der Kunstwelt auch sein mag - mit 120.000 Franken (81.400 Euro) ist er einer der weltweit höchst dotierten Kunstpreise.

Dritter Kunstpreis in wenigen Monaten

Über zu geringe Preise braucht sich Lassnig derzeit nicht zu beklagen - weder, was den Kunstmarkt, noch was den Erhalt von Auszeichnungen betrifft. In Österreich hält sie seit dem vergangenen Jahr den Auktions-Preisrekord für zeitgenössische heimische Künstler (ihr Ölbild "Woman Power" wurde um 2,745 Mio. Schilling (199.487 Euro) ersteigert), und der Roswitha Haftmann-Preis ist bereits der dritte Kunstpreis, der ihr in den vergangenen Monaten zuerkannt wurde.

Steine in Form von Preisen in den Weg, gelegt

"Die Europäer haben offenbar Angst gehabt, dass ich ihnen wieder nach Amerika abhanden komme", schmunzelt die Malerin, die mehr als ein Jahrzehnt in New York verbrachte, "und haben mir daher Steine in Form von Preisen in den Weg gelegt." Zunächst erhielt sie den Kunstpreis der Norddeutschen Landesbank. Danach wurde ihr der Rubens-Preis der Stadt Siegen zugesprochen.

In der Schweiz wird sie auch von Museen gesammelt

"Von allen europäischen Ländern ist mir die Schweiz am meisten wohlgesinnt." Hier wurde sie mit großen Ausstellungen gewürdigt, hier wird sie auch von Museen gesammelt. "Die anderen haben es sich ja alle verdorben mit mir!" Auch Österreich? "Österreich hat sich's auch verdorben mit mir!"

Ein Bild im Mumok

Als Beleg für ihren Unmut empfiehlt Lassnig einen Blick ins Museumsquartier. "Direktor Hegyi hatte im Museum Moderner Kunst nur ein einziges kleines Bildchen von mir hängen. Seither war ich nicht mehr dort. Ich hoffe, unter (seinem Nachfolger, Anm.) Köb wird es besser." Hatte Lorand Hegyi nicht immerhin 1999 eine schöne Retrospektive zu ihrem 80. Geburtstag im 20er-Haus ermöglicht? "Die musste er ja notgedrungen machen", grollt die Künstlerin, räumt aber wenig später versöhnlicher gestimmt ein: "Die Ausstellung war wenigstens wirklich gut gemacht."

Einsam arbeiten

Für die nächste Zeit hat sie nur einen Wunsch: "Rauskommen aus diesem Menschel-Gewusel. Eigentlich möchte ich jetzt nur mehr einsam arbeiten." Mit einem Mal stößt sie einen tiefen Seufzer aus: "Ja, mein Gott, danach sehne ich mich." Arbeiten. Das ist der Künstlerin das Wichtigste. (APA/red)

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