"FMB", ein Markenzeichen

11. März 2002, 10:44
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Freda Meissner-Blau, einstige Klubobfrau und Galionsfigur der Grünen, ist 75

Wien - Freda Meissner-Blau, einstige "Galionsfigur" der österreichischen Grünbewegung, feiert heute ihren 75. Geburtstag. Nach der stürmischen grünen Anfangsphase leitete sie von 1986 bis zu ihrem Rücktritt im November 1988 den Grünen Parlamentsklub. 1986 kandidierte "FMB" - so ihr Namenskürzel, das zum Markenzeichen wurde - für das Amt des Bundespräsidenten.

Auf der anderen Seite

Freda Meissner-Blau stammt aus einer altösterreichischen Offiziers- und Industriellenfamilie. Geboren am 11. März 1927 in Dresden, führten sie die Schrecken des Hitler-Regimes, ihr eigenes Flüchtlingsschicksal, wachsende Naturzerstörung und Aufrüstung schon früh als Aktivistin und Publizistin in die Friedens- und Umweltbewegung. Neben ihren verschiedenen beruflichen Tätigkeiten in Österreich lebte und arbeitete sie lange Jahre in Frankreich - dort als Befürworterin der Nuklearenergie allerdings noch in der Atomindustrie - und in Afrika.

Politische Karriere

Durch die Erkenntnis der Probleme der Endlagerung von atomaren Rückständen diesbezüglich geläutert, erwarb sich Meissner-Blau erste Bekanntheit durch ihren Kampf gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf, der 1978 durch eine Volksabstimmung zu Gunsten der AtomgegnerInnen entschieden wurde. Im Winter 1984/85 stand sie an der Spitze des Widerstandes gegen die Zerstörung der Hainburger Au. 1986 trat sie bei der Bundespräsidentenwahl gegen Kurt Waldheim und Kurt Steyrer an, errang mit 5,5 Prozent der Stimmen nicht nur einen Achtungserfolg, sondern zwang die beiden Mitbewerber auch zu einer Stichwahl.

Erste Parlaments-Klubchefin

Unter dem Listennamen der Spitzenkandidatin "Freda Meissner-Blau" errangen die Grünen dann bei den Nationalratswahlen im Herbst desselben Jahres acht Mandate. Die grünen NeoparlamentarierInnen wählten Meissner-Blau zu ihrer Klubobfrau. War sie schon nicht die erste Frau gewesen, die für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte - dieses Verdienst trägt Ludovica Hainisch, die bereits 1951 antrat -, so wurde sie zumindest der erste weibliche Parlaments-Klubchef.

Ihr Rückzug

Im November 1988 überraschte Freda Meissner-Blau nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch ihre eigene Fraktion mit ihrem Rückzug aus der Politik. Sie argumentierte damals damit, ihr Ziel erreicht zu haben und nun Platz für andere machen zu wollen. Tatsächlich hatte ihre Entscheidung, aus dem Nationalrat auszuscheiden, auch ihre Ursachen in handfesten Meinungsverschiedenheiten zwischen ihr und anderen ProtagonistInnen der Grünen Alternative.

Zuletzt zu Wort gemeldet hatte sich Meissner-Blau in der Diskussion um das Temelin-Volksbegehren der FPÖ. Sie gehörte einem Personenkomitee an, das sich als "Stimmen für Europa" mit einem klaren "Nein Danke" zum Veto gegen einen EU-Beitritt Tschechiens positionierte.
(APA)

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