"Auch die 68er kommen in die Jahre"

11. März 2002, 14:47
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Gemeinderätin Cecile Cordon ist neue Chefin der Grünen SeniorInnen

Wien - Die "Initiative Grüne SeniorInnen" hat eine neue Chefin. Cecile Cordon (62), Gemeinderätin der Wiener Grünen, wurde kürzlich zur Sprecherin des im Vorjahr gegründeten Vereins gewählt. Eine SeniorInnenorganisation habe in ihrer Partei durchaus eine Existenzberechtigung, auch wenn die Grünen als die Fraktion einer jüngeren Klientel angesehen würden, sagt Cordon: "Auch die 68er kommen in die Jahre. Die werden jetzt langsam 50."

Gewisse Vorteile

Als am 1. September 1939 geborenes "ältestes Modell" des Grünen Rathausklubs habe sie sich gerne bereit erklärt, das Amt von Dieter Schrage (66), Bezirksrat in Wien-Penzing und Kustos am Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, zu übernehmen. Dass sie auch Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete sei, bringe der Organisation gewisse Vorteile, meinte Cordon. In finanzieller Hinsicht, aber auch bei der Arbeitskapazität stünden ihr dadurch bessere Möglichkeiten zur Verfügung.

Die Sache mit der Mitgliedsschaft

Die Anliegen der SeniorInnen seien den Grünen bereits vor der Vereinsgründung am Herzen gelegen. Erste Initiativen habe schon vor sieben Jahren der damalige Gemeinderat Jean Margulies gesetzt. Seit knapp einem Jahr gibt es nun den Verein. Den derzeitigen Mitgliedsstand konnte Cordon nicht beziffern: "Bei den Grünen ist das mit der Mitgliedschaft so eine Sache." Es kämen jedenfalls regelmäßig 30 bis 50 Personen zum SeniorInnen-Jour-fixe, der jeden ersten und dritten Donnerstag des Monats in der Parteizentrale in der Lindengasse in Wien-Neubau stattfindet.

Ziele

Als Ziele der "Initiative Grüner SeniorInnen" nannte Cordon die finanzielle Alterssicherung vor allem für Frauen und ein selbstbestimmtes Leben für ältere Menschen. Ein besonderes Anliegen seien ihr auch spezielle Bildungsangebote. Weiteres derzeit in der Initiative diskutiertes Thema sei die Freigabe weicher Drogen wie Cannabis zu therapeutischen Zwecken. Grüne SeniorInnen beschreibt Cordon als politisch besonders interessiert. Sie seien "nicht mehr so genügsam wie die Kriegsgeneration" und ließen sich nicht "mit einer Nachmittagsjause im Pensionistenklub" abspeisen.

Zukunft

Cordon selbst - sie wurde in Graz geboren, absolvierte Handelsakademie und Schauspielschule und arbeitet derzeit neben ihrer politischen Tätigkeit vor allem als Autorin - will noch einige Jahre beruflich aktiv bleiben. Die bis 2006 laufende Amtsperiode des Gemeinderat werde sie nach Möglichkeit noch absolvieren. Es bleibe ihr auch gar nichts anderes übrig, denn sie habe lange in Deutschland gelebt: "Da hat man erst mit 65 einen vollen Pensionsanspruch."
(APA)

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