Hausarrest Arafats aufgehoben

11. März 2002, 21:14
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Auslandsreisen nur mit israelischer Genehmigung - Zinni am Donnerstag erwartet

Palästinenserchef Yassir Arafat wird seine Bewegungsfreiheit zurückbekommen, doch bis US-Vermittler Anthony Zinni im Nahen Osten landet, wird der Schlagabtausch wohl nach dem bekannten Muster weitergehen - und vermutlich auch danach. Die israelische Armee setzt Tag für Tag die neue Taktik der systematischen "Jagd nach Terroristen" fort und nahm dabei gestern die Stadt Kalkilia im nördlichen Westjordanland ins Visier, am Abend davor war in der israelischen Stadt Ashdod ein Anschlag auf eine Familienfeier relativ glimpflich ausgegangen, ein 13-jähriger Israeli wurde verletzt.

Nach dem Verzicht auf die bisher eiserne Forderung nach "sieben Tagen absoluter Ruhe" gab nun Ariel Sharon bekannt, dass Arafats Blockade in Ramallah aufgehoben wird, für Auslandsreisen braucht der Palästinenserchef allerdings weiter eine israelische Genehmigung - die Teilnahme am Arabergipfel in Beirut am 27. März steht damit weiterhin infrage. In dieser Beziehung wird Zinni bestimmt nachstoßen. Den Reservegeneral, der Donnerstag erwartet wird, werden möglicherweise zehn bis 15 CIA-Beamten begleiten, die in heißen Zonen als Beobachter aufgestellt werden könnten.

Sharon unterstrich, dass die Aufhebung des Hausarrests "keine Kapitulation" sei, sondern ein "Erfolg unserer Hartnäckigkeit": "Ich habe von der Palästinensischen Behörde nach der Ermordung von Tourismusminister Rehavam Zeevi gefordert, die fünf Mörder zu verhaften - wenn man das Geforderte erreicht hat, muss man seine Verpflichtungen erfüllen."

"Nachgiebigkeit"

Bei der Entscheidung dürfte Druck aus den USA und von der Arbeiterpartei nachgeholfen haben, bezahlen wird Sharon dafür mit einem Stück seiner Koalition: Die zwei Minister der weit rechts stehenden Fraktion, deren Chef Zeevi war, kündigten ihren Rücktritt an. Schwere Vorwürfe wegen seiner "Nachgiebigkeit" musste sich Sharon auch von seinem Parteifreund Uzi Landau, dem Sicherheitsminister, anhören.

Parallel zu den diplomatischen Manövern ließ Sharon keinen Zweifel daran, dass "unsere Operationen weitergehen, wenn der Terror weitergeht". In der Nacht rückten Bodentruppen in Kalkilia ein - die Israelis suchten von Haus zu Haus nach Waffen und Terroristen, wie in den letzten Tagen in Flüchtlingslagern wurden wieder Hunderte Männer im Alter von 17 bis 40 Jahren festgenommen und verhört, ähnliche Aktionen liefen auch im Flüchtlingslager Deheishe bei Bethlehem und El-Buredj im Gazastreifen. Am Vormittag wurden fünf Palästinenser getötet. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 12.3.2002)

STANDARD- Korrespondent Ben Segenreich aus Tel Aviv
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