Gerecht warten

11. März 2002, 01:13
posten

Was ärgert uns Österreicher wirklich? Es gibt zwar gute Statistiken. Aber sie vergessen meistens:

1.) Fernreisen im Winter, die in den Sommer eines tropischen Landes führen (sollten). Dort hat aber überraschend bereits die Regenzeit begonnen, und wenn man zurückkommt, erfährt man, dass es in Österreich widernatürlich sonnig und warm war.

2.) Man steht in einer Warteschlange schon recht weit vorne, ehe die Schlange erstarrt, während die Schlangen links und rechts kürzer und kürzer werden, bis einen Menschen überholen, die eigentlich noch beim Eingang stehen sollten.

So. Missstand eins bleibt. Missstand zwei wird heroisch bekämpft, und zwar von einer Bankfiliale in der Wiener Innenstadt. Dort lesen Kunden auf einem Plakatständer: "Um Ihnen die Wartezeit vor den Kassen so kurz wie möglich zu halten, wollen wir eine neue Variante testen. Es wird nur mehr eine Wartelinie geben. So kommt es zu einer gerechten Verteilung der Wartezeit, da Sie immer gleich zur nächstfreien Kassa gehen können." Großartig, mutig, revolutionär! Da wäre nur eine Kleinigkeit, an der man vielleicht noch arbeiten könnte: Dreimal stand ich in der neuen Wartelinie, dreimal war nur eine Kassa geöffnet.

(DER STANDARD, Printausgabe vom 11.3.2002)

Von
DANIEL GLATTAUER
Share if you care.