Eine Frotzelei mit doppeltem Handlauf

11. März 2002, 08:13
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Gasometer: Auf einer Rollstuhlrampe herrscht Rollstuhlverbot

Wien - "So etwas darf nicht sein." Matthias Halmer war hörbar erstaunt. "Bis heute Abend ist das weg." Schließlich, so der Manager des Hollywood-Multiplex Kinocenters in der Gasometer-City, erfülle sein Kino alle Anforderungen, um das Etikett "behindertengerecht" zu tragen.

Darum hatte Halmer zunächst nicht glauben wollen, was ihm Freitagnachmittag vonseiten des STANDARD als Frage an den Kopf geworfen worden war: wieso jene Rampe, die zu seinem Center führt, das Schild "Rollstuhlverbot" trage. Rollstuhlfahrer hatten sich an den STANDARD gewandt: "Das Kino ist tipptopp ausgestattet. Die Rampe auch: Sie hat sogar Handläufe in zwei Höhen." Das Schild als Frotzelei zu empfinden sei "noch das Mindeste".

Halmer kann nur beipflichten: "Das ist doch der Notausgang für Rollstuhlfahrer. Ich war zwei Wochen nicht hier und sehe das jetzt zum ersten Mal." Formal zuständig sei allerdings die Liegenschaftsverwaltung im Gasometer.

Ebendort steht man jedoch zu Verbot und Schild: "Man kommt mit dem Rollstuhl ja nicht bis ins Kino, sondern nur bis zu einer weiteren Rampe im Inneren des Gebäudes. Die hat Stufen, die ins Kino führen", wird erklärt. Nicht erwähnt wird allerdings, dass unter der zweiten Rampe Notausgangtüren sind, die - schwellenlos - zu jenem Lift führen, der von der Tiefgarage ins Kinofoyer führt.

Der offizielle Rollstuhlweg, beharrt man seitens der Liegenschaftsverwalter jedoch, führe nicht hier durch: Rollstuhlfahrer müssen - auf der Straße - an drei Gasometern vorbei und danach - innen - durch die Shoppingmall in ebenjenen drei Gasometern wieder zurück. Menschen die gehen können, erklimmen währenddessen eine sanft ansteigende, etwa 25 Meter lange Rampe und winken den Autofahrern im Parkhauslift zu.

Kinomanager Halmer will das nicht einsehen: "Statt des Verbotes am Fuß der Rampe wäre ein Wegweiser sinnvoll." Allerdings nicht unbedingt einer, der den "offiziellen" Weg zum Kino beschreibt. (DER STANDARD, Print, 11.3.2002)

Thomas Rottenberg
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