Aufbruch in die Telekom-Zukunft

10. März 2002, 21:12
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Neue Dienstleistungen, unvorstellbare Informationsmengen, Mobilität und Bequemlichkeit

Die technische Grundlage für die Zukunft der Telekommunikation ist das "Multi-Service-Netz", erklärt der Managing Director für Netzwerkdesign und Produktentwicklung von Telekom Austria, Helmut Leopold, im Gespräch mit dem Standard. Dieses Netz ist als Verbindung zwischen den zwei größten Netzen der Welt zu verstehen: dem Telefonnetz und dem Internet. Der Ausbau in diese Richtung ist in Österreich voll im Gang.

Das "neue" Netz verknüpft damit die Daten- und Sprachkommunikation auf einer einheitlichen Netzwerk-plattform, auf der alle bisher getrennten Funktionen zusammengeführt werden. Die Nutzer werden frei wählen können, welche Leistung sie von ihrer Netzanbindung wünschen und wie diese konfiguriert werden soll.

Durch die Verknüpfung der Netzdienstleistungen auf einer digitalen Plattform werden neue Möglichkeiten eröffnet und Dienste angeboten, die über herkömmliche Strukturen unvorstellbar sind. Im Netz der nächsten Generation wird beispielsweise ein Help Desk oder Callcenter direkt über die Website kontaktiert, Gesprächspartner werden auf dem Bildschirm sichtbar, Videos können heruntergeladen oder in Echtzeit angesehen werden. Das Multi-Service-Netz unterstützt das zukünftige multimediale E-Learning ebenso wie Telearbeit sowie die Übermittlung von Nachrichten jeder Art via SMS, E-Mail, Telefon oder Fax in allen gewünschten Formaten. Derartige Lösungen werden in Fachkreisen als "unified messaging"-Systeme bezeichnet. Damit stellt dieses Netz eine nahezu perfekte technische Lösung für das Problem dar, wie man von jedem beliebigen Ort aus auf jedes beliebige Medium zugreifen kann. Endgeräte wie Fernsehapparat, Telefon, PC oder Handy sind über eine Plattform verwendbar, Daten- und Sprachkommunikation werden ein großes Ganzes.

Alles immer überall

Hier ortet Leopold auch die Chance für das E-Business und den "M-Commerce" (Geschäftsabwicklung über mobile Geräte). Die bloße Existenz technischer Machbarkeit genügt nicht, um ganze Geschäftsmodelle auf das elektronische Medium zu übertragen. Schwachstellen in der Entwicklung der Geschäftsmodelle sind fehlendes Bewusstsein und Akzeptanz. Auch das globale Wirtschaftssystem muss sich erst neu orientieren. Die Content-Industrie müsse noch entsprechende Applikationen und Dienste entwickeln bzw. diese interaktiv gestalten. Wem es gelingt, hier einen Mehrwert für den Kunden zu generieren, der wird das Volumen der Multi-Service-Netze nützen können, meint Leopold.

Damit verknüpft ist die Kundenakzeptanz zu sehen. Je stärker sich diese entwickelt, desto intensiver werden die E-Commerce-Angebote genützt. Steigende Teilnehmerzahlen sorgen in weiterer Folge für sinkende Kosten und attraktivere Angebote. Wenn alles klappt und die Akzeptanz, wie von allen Prognosen erwartet, stark steigt, dann wird 2010 nahezu jeder Haushalt in Österreich über eine Breitbandanbindung verfügen. In diesem Zeitraum wird die Attraktivität der Dienste steigen. Ab dann wird die elektronische Wunderwelt Wahrheit.

Der Umgang mit dieser Informationslawine wird dann vermutlich bereits in den Schulen als eigenes Fach angeboten werden. Und die gesellschaftlichen Veränderungen bis 2010 sind heutzutage kaum abschätzbar. Nur eines ist klar, sie werden in der gleichen Dimension liegen wie die verfügbaren Datenmengen. (Walter Seböck, Der Standard, Printausgabe, 11.03.02)

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