Ein Exponent des Regimes

10. März 2002, 20:24
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Exilopposition in Wien reagiert empört und erstaunlich einig

Wien - Für viele Exiliraner ist Khatami einfach Exponent eines verbrecherischen Regimes - die Bemühungen des Westens um den iranischen Präsidenten gelten ihnen als inakzeptabel.

"Khatami unterscheidet sich von den anderen Flügeln des Regimes in der Form, aber inhaltlich hat sich kaum etwas geändert", definiert Nasser Alizadeh, schon seit Schahs Zeiten eine der Säulen der iranischen Opposition in Wien: "Khatami will erlauben, dass die Frauen die Haare ein bisschen herausschauen lassen, dass ein junger Mann und eine junge Frau zusammen auf der Straße gehen. Das verändert das Bild des Landes, aber nicht das Leben der Menschen." Alizadeh vermisst Bemühungen des Präsidenten, die Verfassung Irans zu ändern, die sich wegen ihres religiösen Fundaments mit demokratischen Ansätzen nicht vertrage: "Khatami kann und will nicht. Die Leute warten seit fünf Jahren darauf, dass er etwas tut, und sie werden weiter warten müssen."

Die Einladung Khatamis "gerade jetzt, da Iran als Unterstützer des internationalen Terrorismus in Diskussion ist", empört Alizadeh und andere Regimegegner aus mehreren politischen Lagern besonders. Darum haben sie (ein kleines Wunder in der zerstrittenen Exilopposition) gemeinsam einen Protestbrief an Bundespräsident Thomas Klestil geschrieben. Montag-und Dienstagnachmittag findet am Stephansplatz eine Mahnwache gegen den Khatami-Besuch statt. (schles/DER STANDARD, Print, 11.2.2002)

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