Indexzertifikate als Alternative

11. März 2002, 11:50
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Schießen wie Pilze aus dem Boden und versprechen den Anlegern einiges

Mitte der 90er-Jahre haben sie ihren Siegeszug von den USA aus angetreten. Seitdem sind Indexzertifikate auch in Europa ein Begriff. Ihre Funktion: Sie bilden einen bestimmten Index wie etwa den Dax nach.

"Im Vergleich zu einer einzelnen Aktie ist das Risiko gering", sagt Wolfgang Hofmeister von der Volksbanken AG, dem größten heimischen Anbieter solcher Papiere. Indexzertifikate seien transparent, es gebe keine Zeitverzögerung wie bei einem Fonds. Und: Bei Indexzertifikaten fallen weder Managementgebühren noch Ausgabeaufschläge an.

Vor allem aber schnitten die aktiv gemanagten Fonds in den vergangenen Jahren kaum besser ab als Zertifikate; bei diesen fällt keine Besteuerung an, wenn es keine Kapitalgarantie gibt, sagt Johann Adametz vom Finanzministerium. Die Wertsteigerung wird bis zu einem Jahr besteuert, danach ist das Ganze steuerfrei.

Indexstand in Euro

Mit dem Zertifikat erwirbt der Anleger aber nur das Versprechen, bei Rückgabe des Papiers von der Bank den jeweils gültigen Indexstand in Euro ausbezahlt zu bekommen. Mit Indexaktien kauft er dagegen tatsächlich die im Index enthaltenen Aktien.

Raimund Brichta, Börsenfachmann beim Nachrichtensender NTV und Autor des Buches "Die (un)beschreibliche Leichtigkeit des Geldanlegens", beschreibt Vor- und Nachteile der Indexpapiere.

Die österreichischen Anleger hat die ihnen aufgebrummte Sicherungssteuer (2,5 Prozent auf den Wert ausländischer Investmentfonds) verunsichert. Brichta erklärt: "Bei den Indexaktien gibt es auch in Österreich die Unterscheidung zwischen ,schwarzen' und ,weißen' Fonds. Die Anlage in schwarzen Fonds - das sind ausländische Fonds ohne Zulassung in Österreich - ist für den steuerehrlichen Investor unrentabel. Für ihn kommen also nur weiße Fonds infrage."

Dax noch nicht dabei

Worunter in der Kategorie Indexaktien lediglich drei fallen: "Nemax 50", "Stoxx 50" und "Eurostoxx 50". Dagegen sei der "Dax-Fonds" in Österreich derzeit noch nicht zugelassen. Denn der Dax hat als Obergrenze für einen Wert in einem Fonds 15 Prozent festgeschrieben, das österreichische Gesetz erlaubt aber höchstens zehn Prozent. Brichta erwartet sich eine Zulassung im nächsten oder übernächsten Jahr. Die Performance der Zertifikate und Indexaktien sei sehenswert: Allein der Dax habe im vergangenen Jahrzehnt für eine 14-prozentige Performance pro Jahr gesorgt, so Brichta.

Auch die ABN Amro Bank hat in Österreich einen lukrativen Markt entdeckt und neue Produkte platziert: die Short- und Turbozertifikate, die Gewinne je nach sinkenden oder steigenden Märkten versprechen. Sarah Brylewski von der ABN Amro sagt: "Durch die Sicherungssteuer sind Indexzertifikate eine gute Alternative in Österreich." Die Direktanlage.at plant nun, Indexzertifikate in Sparpläne zu integrieren. (Esther Mitterstieler, Der Standard, Printausgabe, 11.03.02)

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