Keine Eier, viel Jubel in San Remo

10. März 2002, 22:02
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Roberto Begninis Auftritt beim Finale des Schlager- Festivals wurde zu einer Sternstunde für die RAI

Die Fernsehanstalt RAI lieferte am Wochenende in mehrfacher Hinsicht Schlagzeilen. Senatspräsident Marcello Pera überraschte mit dem Vorschlag, sowohl die RAI als auch Berlusconis Konzern Mediaset sollten einen ihrer drei Kanäle verkaufen.

Vor 14 Funkhäusern der RAI zwischen Bozen und Palermo demonstrierten Sonntag Tausende für Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In Rom folgten 10.000 Menschen dem Aufruf der Bürgerbewegung Girotondo. In acht langen Menschenketten umrundeten sie die Fernsehanstalt und forderten: "Hände weg von der RAI!"

Viel Applaus erhielt der Regisseur Nanni Moretti, der die Medienkonzentration in den Händen von Berlusconi als "Gefährdung der Demokratie" kritisierte. "Wir können und dürfen uns mit dieser für westliche Länder einmaligen Situation nicht abfinden", erklärte er. Der Parteichef der Linksdemokraten, Piero Fassino, verlangte "Garantien zur Erhaltung des Pluralismus".

Ohne Zwischenfälle verlief dagegen der umstrittene Fernsehauftritt des Oscar-Preisträgers Roberto Benigni in San Remo. Der frühere Berlusconi-Sprecher und Chefredakteur der Tageszeitung Il foglio, Giuliano Ferrara, hatte einen Boykott Benignis gefordert und gedroht, ihn mit Eiern zu bewerfen. Der glänzende Auftritt des Komikers wurde zu einer Sternstunde für die RAI. Benigni zog alle Register seines Könnens: Er rezitierte aus Dantes Göttlicher Komödie, sang ein Liebeslied an die Frauen, mimte Berlusconi vor dem letzten Gericht, griff dem Leiter des Festivals, Pippo Baudo, zwischen die Schenkel und schlüpfte unter das rote Kleid der Moderatorin Manuela Arcuri.

Die 2000 Zuschauer bedankten sich mit Standing Ovations und warfen Blumen auf die Bühne. Während seines knapp halbstündigen Auftritts stieg die Einschaltquote auf die Rekordzahl von 20 Millionen Zuschauern. Der Corriere della Sera fasste das Ereignis in zwei Worten zusammen: "Grazie Benigni!"
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 3. 2002)

Von
STANDARD- Korrespondent

Gerhard Mumelter
aus Rom


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