Alljährlicher Eiertanz um die Spitzenwerke der Kunst

11. März 2002, 16:28
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Was kann die TEFAF in Maastrich, eine der bedeutendsten Kunst- und Antiquitätenmessen weltweit?

Grafik: Tefaf.com
WEB-TIPP:
www.tefaf.com
Die niederländische TEFAF Maastricht zählt zu den bedeutendsten Kunst- und Antiquitätenmessen weltweit. Vom Eröffnungswochenende ihrer nunmehr 15. Auflage berichtet Doris Krumpl.


Maastricht - "Die Zeit ist schnell, das Leben blöd/ Der Weg ist schmal, die Welt ist schnöd": Textzeilen aus 1645, von einem gewissen Rompler von Löwenhalt, der wie viele seiner Zeitgenossen mahnt, für die Ewigkeit zu rüsten. Obwohl bekannt ist, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, nützen viele die Freuden der Kunst, um dem schnöden Erdendasein Schönheit und Sinn zu verleihen.

Beide Aspekte vereinigt die Kunstkammer Laue, indem sie höchst spezielle Memento-mori-Objekte ausstellt. Der Münchner Kunsthändler ist einer von rund 200 internationalen Spitzenausstellern bei der seit 14 Jahren abgehaltenen Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF Maastricht, die bis einschließlich Sonntag, 17. März, dauert. Nicht nur Käufer mit großklotzigem Rollys-Royce, livriertem Chauffeur und dem Wunschkennzeichen "Art 100" kommen auf dieser Messe, die vor allem in ihrem unschlagbaren Altmeisterangebot punktet, auf ihre Rechnung.

Rote Verkaufspunkte waren am Tag nach der Eröffnung spärlich gestreut, doch manchmal verschweigt man diskret eine bereits getätigte Transaktion. Wie etwa der Brüsseler Art-Deco-Spezialist Philip Denys, der Gustav Hussars ungarische Geo-Stühle veräußerte. Die klassische Moderne fasst neben der Kunst der (außereuropäischen) alten Kulturen auch in Maastricht Fuß, obwohl das Angebot von Messe-Einsteiger Michael Werner oder den Salzburger Salis & Vertes sich wesentlich von manchen Kitsch-Ständen abhebt.

Die Kojen werden auch mehr durchmischt, einen Fontana traut sich schon der konservativste Händler zwischen seine gediegenen Exponate zu schwindeln. Moderne teure Klassiker wie Gerhard Richter, dessen Abstract Painting von 1977 bei Anthony Meier Fine Arts, L.A., 1,3 Millionen Dollar kostet, sind ebenso in Maastricht vertreten wie auch Gilbert & Georges seltene, wandfüllende Zeichnung bei Blau aus München.

Konrad Bernheimer, der sich Colnaghi einverleibte, musste seinen Star, die Cranach-Madonna (Der Honigdieb), mit deren Motiv er auch Schokoladeriegel werbewirksam bekleben ließ, oftmals für potenzielle Käufer aus dem Rahmen nehmen. Der Eiertanz von Pieter Brueghel d. J. ging dort gleich am ersten Tag weg.

Die Wiener Galerie St. Lu- cas brachte neben zwei Jagdstillleben von Cornelis Biltius (360.000 EURO gesamt) auch ein Ischl-Bild Waldmüllers nach Maastricht. Gleich gegenüber bei French & Company gibt man neben einer museumsreifen Herbst-Allegorie Arcimboldos (vier Mio. US-Dollar) Waldmüllers The African für 744.000 Euro zum Besten. Den hatte man von einer Christie's-Auktion in Erinnerung, ebenso wie Gustav Klimts Ölbild Ria Munk am Totenbett am Stand der Dover Street Gallery, London.

Streiften auch deshalb neben Museumsdirektoren (etwa Gerbert Frodl) Experten der Auktionshäuser herum? Klimts totes Mädchen gehörte einst Barbra Streisand und blieb 1998 bei einer Christie's-Auktion bei einem Schätzwert von 730.000 bis eine Million Euro unverkauft. Es lebe die Kunst: Blumenwiesen und lachende Frauengesichter reizen offenbar mehr als solch bitterschönes Memento mori.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 3. 2002)

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