Der Avantgarde dritter Teil

13. März 2002, 00:39
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... und eine 'Raum-Zeit- Kontinuum' - Eine Rundschau durch Wiener Galerien

"Wir Russen sind nur mehr in einer Welt, wo die Zerstreuung eine Ideologie ist, das Schauspiel zum Inhalt des Lebens wird und die Werbung die eigentliche Psychologie ist": Das schreibt Galeristin Elena Kirchberger-Egarmina zu ihrer aktuellen Gruppenschau mit deutlich ironischem Unterton, "Russlands dritte Avantgarde". Einen gemeinsamen Nenner haben alle, sie sind eine rein männliche Angelegenheit. Zur Einstimmung lässt Alexander Sigutin zehn Bretter-Bruchstücke mit Details unterschiedlicher russischer Klassiker als gemeinsames Bild Revue passieren (Die ausgewählte Stelle der russischen Avantgarde).

Auf kleinem Raum zeigen sich wesentliche Themen der russischen Kunst: Nationalismus, Krieg, Konsum und Werbung, Religion und Geschichte. Das russische Märchen wird von Alexander Savko upgedatet, der - und das ist auch ein Stilmerkmal vieler russischer Künstler - auf ganz andere Art kitschige, blutrünstige Schlachtenbilder im Stile des 19. Jahrhunderts macht. Keine Soz-Art-Reminiszenzen kommen auf, sondern die Beschäftigung mit früheren Bildtraditionen - siehe Ikonen - und der Nachkriegsgeschichte, deren triste Schwarz-Weiß-Aufnahmen Vladimir Anselm auf Leintücher bannt. Sergey Techovzov schafft Airbrush-Illusionen von Warengütern und kopflosen, schaumstoffgeborenen Pin-ups. Tolle Vorboten für die derzeit in Berlin ausgestellte MAK-Schau "Davaj" im Juni.
Galerie Karenina, 1., Opernring 21/12, Tel. (01) 581 02 52, 0664/140 92 92.; Bis 30. 4.


Raum-Zeit-Kontinuum

"Das Flüchtende des Augenblicks" hält Lore Heuermann - während Performances oder Theateraufführungen - nicht mittels Fotoapparat, sondern mittels kalligrafischer Zeichnungen, die zuweilen in meterlange Rollen ausarten, fest. Anlässlich ihres 65. Geburtstages fertigte sie zu einem Theaterprojekt eine Installation (rund um die Liebe) an, die wie die meisten ihrer Arbeiten die Ästhetik und Philosophie asiatischer Länder widerspiegelt. "Der Raum erweitert sich zu einer Beschreibung der Zeit" sagt folgerichtig ein chinesischer Künstlerfreund über ihre Ästhetik. Finissage und Konzert/Performance mit Lore Heuermann & Karin Hackl: "Visions of Kaya - Die Gesänge der Inanna" am Samstag, 23. 3, 20 Uhr.
Projekttheater Studio, www.experimental-theater.com, Burgg. 28-32.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 3. 2002)

Von
Doris Krumpl

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