"Agent Orange": Vietnam und USA untersuchen gemeinsam Spätfolgen

10. März 2002, 16:38
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Möglicher Zusammenhang zwischen dioxinhaltigem Gift und Spätschäden an Neugeboren

Hanoi - Mehr als 25 Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges wollen die USA und ihr früherer Kriegsgegner gemeinsam Spätfolgen des von der US-Armee eingesetzten Entlaubungsmittels Agent Orange untersuchen.

Spätschäden an Neugeboren

Eine entsprechende Übereinkunft unterzeichneten am Sonntag Vertreter von Umweltbehörden beider Länder in Hanoi. Zunächst solle der mögliche Zusammenhang zwischen dem dioxinhaltigen Gift und Spätschäden an Neugeboren sowie Krebserkrankungen erforscht werden, teilte das US-Institut für Umweltgesundheit (NIEHS) mit.

72 Millionen Liter Pflanzengifte

Die US-Streitkräfte hatten zwischen 1961 und 1971 etwa 40 Millionen Liter des Entlaubungsmittels über dem südvietnamesischen Dschungel versprüht, um nordvietnamesischen Guerillas die Deckung zu nehmen. Insgesamt gingen 72 Millionen Liter Pflanzengifte nieder. Offiziell erkennen die USA nicht an, dass der Einsatz von Agent Orange Ursache für Missbildungen, geistige Behinderungen und weitere Krankheiten ist. Nach Ansicht des vietnamesischen Roten Kreuzes leiden dagegen noch immer etwa eine Millionen Menschen an den Folgen.

US-Vertreter bezeichneten die Übereinkunft als "konstruktiven Schritt, um das letzte Gespenst des Vietnamkrieges zu beerdigen". Allerdings sei der direkte Nutzen der Studien noch offen, sagte der amerikanische Botschafter in Vietnam, Raymond Burghardt. Unklar waren zunächst auch die Kosten der Forschungen sowie ihre Finanzierung.

Auf einer gemeinsamen Konferenz über die Folgen des Entlaubungsmittels in der vergangenen Woche in Hanoi hatte die vietnamesische Regierung erneut Ausgleichszahlungen Washingtons an die Opfer sowie die Einrichtung von Hilfszentren gefordert. Die Vereinigten Staaten lehnen hingegen jede Kompensation ab.(APA)

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