VW-Chef will keine Formel 1 und warnt Hersteller

10. März 2002, 12:03
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Barrichello entging in Melbourne nur knapp einer Katastrophe

München - Der designierte Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder hat einen Einstieg der Wolfsburger in die Formel 1 auch für die kommenden fünf Jahre ausgeschlossen und die Automobilhersteller vor der geplanten Gründung einer eigenen Rennserie gewarnt. Die Formel 1 sei kein Thema für VW.

"Mindestens in den nächsten fünf Jahren steht dieses Thema nicht auf unserer Agenda. Ein solches Engagement kostet viel Geld und bindet wichtige Management- und Ingenieurkapazitäten", sagte Pischetsrieder in einem Interview der "Welt am Sonntag" zu den immer wieder aufkommenden Spekulationen, wonach VW als nächster Konzern einen Einstieg in die "Königsklasse" des Motorsports plane.

Formel 1 nur Ablenkung

Pischetsrieder, dem in der Branche ein persönliches Interesse an der Formel 1 nachgesagt wird, begründete die Haltung auch mit eigenen Erfahrungen. "Als BMW-Chef habe ich diesen Rennzirkus ja schon mal mitgemacht. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede", erklärte der Spitzenmanager: "Bei VW konzentriere ich mich lieber darauf, 67 verschiedene Modelle präzise im Markt zu positionieren. Dabei lenkt die Formel 1 nur ab."

Starke Zweifel an Hersteller-Rennserie

Gleichzeitig warnte Pischetsrieder die Herstellerkonkurrenz davor, die ehrgeizigen Pläne von einer eigenen Rennserie zu verwirklichen. "Wenn jeder Hersteller eine viertel Milliarde Euro ausgibt, und nur einer gewinnen kann, werden manche die Lust verlieren", prophezeite er. "Die Autohersteller haben schon häufiger versucht, Rennserien zu organisieren, und sind jedes Mal gescheitert. Keine einzige dieser Rennserien hat überlebt."

Seit längerem streben die in der Formel 1 vertretenen Hersteller BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford und Renault die Eigenständigkeit an. Noch bindet das so genannte Concorde-Abkommen alle Beteiligten an die Formel-1-Holding SLEC. Doch ab 2008 wollen die Hersteller in der Serie Grand Prix World Championship antreten.

Barrichello im Glück

Unterdessen hat Michael Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello nach dem schweren Startunfall beim Grand-Prix-Auftakt in Melbourne nachträglich noch einmal aufatmen dürfen. Nach dem Rennen stellte sich heraus, dass der Brasilianer fast von seinem Heckflügel erschlagen worden wäre, berichtete die "Bild am Sonntag". Ein Mechaniker habe tiefe schwarze Kratzer an Barrichellos Helm entdeckt. "Nur ein paar Millimeter, und das nächste Rennen in Malaysia würde ohne mich stattfinden", zitierte die Zeitung Barrichello. Ralf Schumachers BMW, der nach dem Start in Australien in Barrichellos Ferrari geprallt und anschließend über ihn hinweg geflogen war, hatte den Heckflügel abgerissen. (APA/dpa)

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