Der verfallene Traum von Kaiser Maximilian

10. März 2002, 11:41
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Vom Renaissance-Juwel zum Steinbruch für Schönbrunn

Wien - "Neugebäude", das Schloss Kaiser Maximilians in Wien-Simmering, gilt als das größte erhaltene Renaissanceschloss nördlich der Alpen. Nach Jahrzehnten und Jahrhunderten des Verfalls verspricht nun eine neue Initiative die Rettung des Komplexes.

Der "Lustgarten" mit Gärten auf mehreren Ebenen

Kaiser Maximilians II. ließ ab 1569 den "neuen Fasan- oder Lustgarten" mit Gärten, Türmen und Arkadengängen auf mehreren Ebenen errichten. Als er 1576 starb, hinterließ er eine Großbaustelle. Sein Sohn Rudolf II. nahm die Arbeiten wieder auf. 1576-85 baute er ein steinernes Lust- und Jagdschloss mit offenen Säulengängen, das 1597 erstmals "Neues Gebäude" genannt wurde. Später ging diese Bezeichnung auf die gesamte Anlage über, die Rudolf II. von einer Mauer mit zehn Türmen umgeben ließ. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden die schon sehr desolaten Gartengebäude wiederhergestellt. 1607 wurden die Tiere der kaiserlichen Menagerie aus Schloss Kaiserebersdorf ins Neugebäude verlegt.

Schloss wurde 1683 von den Türken verschont

Während das Schloss 1683 von den Türken verschont wurde, da es angeblich eine steinerne Nachbildung der 1529 auf diesem Gelände befindlich gewesenen Zeltstadt Sultan Suleimans gewesen sein soll, wurde es 1704 von den ungarischen Kuruzzen geplündert, die Tiere der Menagerie wurden großteils getötet. Danach wurden das Schloss wieder in Stand gesetzt und der Tiergarten neu aufgebaut.

Bereits 1752 übersiedelte das liebe Vieh aber in den neuen Tiergarten von Schönbrunn. Von 1775 bis 1918 wurde das Schloss als Waffen- und Pulvermagazin verwendet. Kaiserin Maria Theresia ließ die monumentale Säulengalerie des Schlosses abtragen und nach Schönbrunn bringen. Die Gloriette, die Römische Ruine und der Engelsbrunnen von Schönbrunn wurden aus Bauteilen von Neugebäude gefertigt.

Abrissforderungen noch vor dem ersten Weltkrieg

1909 erwarb die Stadt Wien den von den Habsburgern ausgeschlachteten und dem Verfall preisgegebenen "Palast". Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden Stimmen laut, die den Abriss forderten. 1922/23 entstand innerhalb des Neugebäudes das von Clemens Holzmeister gestaltete Krematorium auf dem Gelände des ehemaligen Fasangartens, der Rest verharrte in Totenstarre. 1943-45 war im Hauptgebäude ein Rüstungsbetrieb der Saurer-Werke untergebracht.

1993 wurde der Niedergang dann noch einmal beschleunigt. Einen Brand richtete schweren Schaden an einem 100 Meter langen und 20 Meter breiten Trakt an. (APA)

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