Polizei vertreibt Wähler mit Schlagstöcken

12. März 2002, 08:55
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Gericht weist Antrag auf Verlängerung des Urnengangs ab und erklärt Präsidentenwahl für beendet

Harare - Gegen die Proteste der Opposition hat die Regierung von Simbabwe die Präsidentenwahl am Montag für beendet erklärt. Ein Sprecher der norwegischen Beobachterdelegation bestätigte, dass auf Anordnung des Wahlleiters alle Wahllokale im Großraum Harare pünktlich um 19.00 Uhr (18 Uhr MEZ) geschlossen wurden. Als mehrere hundert aufgebrachte Wähler in zwei Vororten der Hauptstadt dagegen protestierten, setzte die Polizei nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein und vertrieb die Menge mit Schlagstöcken. Präsident Robert Mugabe (78) muss fürchten, die Macht nach 22 Jahren an seinen oppositionellen Rivalen Morgan Tsvangirai (50) abzugeben. dieser will den Kampf gegen Mugabe trotz Morddrohungen gegen ihn fortsetzen.

Im Glen Norah standen noch etwa 600 Menschen vor einem Wahllokal Schlange und riefen "Wir wollen wählen". An einigen Orten wurde den in der Schlange stehenden Wartenden noch erlaubt, ihre Stimme abzugeben. Schon lange vor dem Abschluss der Wahl gab die Regierung am Montag die Wahlbeteiligung bekannt. Danach beteiligten sich in den Hochburgen von Mugabe wesentlich mehr Menschen an der Abstimmung als in jenen der Opposition.

Im Großraum Harare war die eigentlich zweitägige Wahl um einen Tag verlängert worden. Ein Antrag der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), die Wahl um einen weiteren Tag zu verlängern, wurde am Montagabend von einem Gericht abgewiesen. Wie ein Anwalt der MDC mitteilte, hatte sich der Richter für nicht zuständig erklärt. Die Auszählung der Stimmen sollte am Dienstagmorgen beginnen, das Endergebnis wurde nicht vor Mittwoch erwartet.

Überschattet wurde die Wahl am Montag durch einen Zwischenfall in der Stadt Chinhoyi, wo vier US-Diplomaten fünf Stunden lang ohne Angabe von Gründen von der Polizei festgehalten wurden. Die US-Botschaft in Harare verurteilte den Vorfall als klare Verletzung der diplomatischen Immunität. Auch drei führende Mitglieder der MDC wurden ohne Angabe von Gründen festgenommen, teilte die Partei mit.

Die Abstimmung war am Vorabend per Gerichtsurteil verlängert worden, aber am Montag unter chaotischen Umständen erst am Mittag teilweise wieder aufgenommen worden. Vorausgegangen war ein Tauziehen zwischen Opposition und Justiz auf der einen und der Regierung von Präsident Mugabe auf der anderen Seite. Mugabe-Herausforderer Tsvangirai kritisierte am Montag die Verzögerungen und rief seine Anhänger in einem dramatischen Appell zu besonnenem Verhalten auf. Zuvor hatte die Polizei den Generalsekretär der Oppositionspartei MDC festgenommen.

Unter Hinweis auf Mugabe und drohende Provokationen durch dessen Anhänger betonte Tsvangirai: "Sie mögen mich festnehmen und schlimmstenfalls töten wollen, doch sie werden nie den Willen des Volkes zerstören können, seine Macht einzufordern." Durch die Reduzierung der Wahllokale in den städtischen MDC-Hochburgen um bis zu 50 Prozent hätten weniger als die Hälfte der Wähler ihre Stimme abgeben können.(APA/dpa/AP/Reuters)

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