Khatami: "Achse des Bösen" ist ein "hässliches Wort"

13. März 2002, 11:12
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Irans Präsident in Wien: "Wir lehnen jede Form von Gewalt ab" - Khatami: "Krisenherd Palästina bedroht den Weltfrieden"

Wien - "Palästina ist ein Krisenherd, der nicht nur die Region, sondern den ganzen Weltfrieden bedroht", erklärte der iranische Präsident Mohammed Khatami am Montag nach einem Gespräch mit Bundespräsident Thomas Klestil in Wien. Den Frieden im Nahen Osten könne man "nicht einseitig verordnen".

Im Zusammenhang mit der Terrorbekämpfung betonte Khatami, die Welt habe sich "für eine Koalition des Friedens" ausgesprochen. "Wir lehnen jede Form von Gewalt und Gewalttätigkeit ab."

Die von den USA gebrauchte Bezeichnung "Achse des Bösen" nannte Khatami "ein hässliches Wort". Bei historischer Betrachtung "haben wir noch mehr Grund zur Besorgnis", sagte er unter Hinweis auf den II. Weltkrieg, wo dieser Terminus benützt wurde.

"Wer repräsentiert hier das Böse?", fragte der iranische Präsident, um mit einer rhetorischen Gegenfrage zu antworten: Kräfte, die Drohungen gegen nicht Linientreue aussprächen oder die, die für einen Dialog plädierten? Die Staaten sollten "das wirklich Böse bekämpfen", wie Armut, Terrorismus und Gewalt. "Lassen wir die Geschichte als Richter über diese Dinge urteilen", so Khatami.

Bundespräsident Klestil sagte zu der von US-Präsident George W. Bush gebrauchten Wortwahl "Achse des Bösen", er teile - ebenso wie die gesamte EU - diese Meinung nicht. Auch von US-Seite sei diese Aussage später relativiert worden.

Zur Eskalation im Nahen Osten erklärte der iranische Präsident, nicht nur die Bewohner der Region, sondern die ganze Welt bräuchten Frieden im Nahen Osten. Frieden könne es dort nicht geben, "bevor die wirklichen Besitzer dieses Landes nicht zu ihrem Recht kommen, das ihnen vor 50 Jahren geraubt wurde". Es werde keinen stabilen Frieden geben, bevor nicht alle Palästinenser über ihr Schicksal entscheiden könnten. Dies könnte in einer Volksbefragung geschehen.

Treffen mit Solana

Zum bevorstehenden Treffen mit EU-Außenpolitikbeauftragtem Javier Solana, das im Rahmen des Staatsbesuches in Wien am Mittwoch stattfindet, sagte Khatami, dieses sei nicht das erste und es werde nicht das letzte dieser Art sein. Iran führe mit den EU-Staaten die "sehr konstruktiven Gespräche, die auf gegenseitiger Achtung beruhen" fort. Klestil erinnerte daran, dass Österreich als erstes Land das Existenzrecht der Palästinenser und der Israelis in gesicherten Grenzen anerkannt habe. Er hoffe, dass die gegenwärtigen Initiativen Erfolg haben, "um die Spirale der Gewalt zu stoppen", so Klestil, auf dessen Einladung der iranische Präsident nach Wien gekommen war.

Der israelische Geschäfts- träger in Österreich, Avraham Toledo, hat im Hinblick auf den Staatsbesuch von Präsident Khatami darauf hingewiesen, dass Iran nach wie vor die Vernichtung des Staates Israel auf seine Fahnen geschrieben hat. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 12.3.2002)

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