Arabische Liga uneinheitlich in Bezug auf Israel

9. März 2002, 22:36
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Kritik von Libyen und Syrien - Tripolis: "Das zionistische Gebilde versteht nur Logik der Gewalt"

Kairo - Beim Außenministertreffen der Arabischen Liga in Kairo sind am Samstag erhebliche Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel erhebliche Meinungsverschiedenheiten zu Tage getreten. "Die Erklärungen der Arabischen Liga richten sich an die öffentliche Meinung in Israel und den USA und nicht an die Menschen in den arabischen Ländern", kritisierten Mitglieder der libyschen Delegation. "Das zionistische Gebilde (Israel) versteht nur die Logik der Gewalt", fügten sie hinzu.

Kritik kam auch von den Syrern, die von dem Treffen in Kairo offenbar mehr erwartet hatten, als den zu Beginn der zweitägigen Gespräche am Samstag veröffentlichten Appell an die USA und die Vereinten Nationen. Darin wurde die internationale Gemeinschaft aufgefordert, dem Blutvergießen in den Palästinensergebieten Einhalt zu gebieten. Der Generalsekretär der Liga, Amr Mussa, sprach von einem "zerstörerischen Krieg" der israelischen Armee gegen die Palästinenser.

Saudi-Vorschlag nicht auf Tagesordnung

Außerhalb der offiziellen Sitzung wurde in Kairo über den saudischen Vorschlag für einen Nahost-Frieden beraten, vor allem darüber, ob dieser trotz der jüngsten Eskalation der Gewalt auf dem für Ende dieses Monats geplanten Arabergipfel in Beirut angenommen werden soll. Mussa betonte jedoch, der Vorschlag stehe in Kairo nicht auf der Tagesordnung. Man wolle abwarten, ob Saudiarabien den Vorschlag in Beirut offiziell unterbreiten werde.

"Ich glaube, dass sie (die saudischen Ideen) extrem wichtig sind", sagte Jordaniens Außenminister Marwan el Mashir in Kairo. Die Initiative habe besonderes Gewicht, da sie vom saudischen Kronprinz Abdallah Ibn Abdel Aziz stamme, dessen Land - anders als Jordanien - keine diplomatischen Beziehungen mit dem jüdischen Staat habe. Dies zeige, dass es die Arabern ernst meinten.

Neben Libyen und Syrien hat sich vor allem der Irak kritisch über den saudischen Vorschlag des saudischen Kronprinzen geäußert. Die irakische Führung erklärte vor einigen Tagen, den Palästinensern könne mit Waffen besser geholfen werden. Der Vorschlag bietet Israel eine Normalisierung der Beziehungen zu den arabischen Ländern an, falls sich die Israelis aus allen Gebieten zurückziehen, die sie seit dem Sechs-Tage-Krieges 1967 besetzt haben. Das Treffen der Außenminister in Kairo wird eventuell an diesem Sonntag fortgesetzt.

Arabischer Gipfel soll über saudiarabischen Friedensplan befinden

Die Arabische Liga soll auf ihrem Gipfeltreffen Ende März in Beirut über den Nahost-Friedensplan des saudiarabischen Kronprinzen Abdullah befinden. Das teilten am Samstag die Außenminister der Liga bei einer Konferenz in Kairo mit. Der Plan sieht eine diplomatische Anerkennung Israels vor, wenn sich das Land aus allen besetzten Gebieten zurückzieht. Israel hat sich bereit erklärt, den Plan als Verhandlungsgrundlage zu akzeptieren.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagte, die saudiarabische Initiative sei bereits bei vorherigen Treffen erörtert worden. Jetzt müsse der Gipfel der Liga entscheiden. Nach Angaben des ägyptischen Außenminister Ahmed Maher haben die Minister über den Plan beraten, eine detaillierte schriftliche Form liegt jedoch noch nicht auf dem Tisch. Zu den Ideen des Plans gebe es unter den arabischen Staaten keine Meinungsverschiedenheiten, sagte Maher.

Libyen und der Irak haben den Vorstoß des saudiarabischen Kronprinzen jedoch zurückgewiesen. Sie riefen die arabischen Staaten zu einer verstärkten Unterstützung des palästinensischen Aufstandes gegen die Israelis auf. (APA/dpa)

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