Hochstapler hielt Hamburger Gesellschaft zum Narren

9. März 2002, 17:47
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Fürst von Bismarck ist "schrecklich enttäuscht

Hamburg - Ein Hamburger Reinigungsunternehmer, der sich unter anderem als ehemaliger US-Oberst und hochdekorierter Vietnamveteran ausgab, hat die High Society der Hansestadt jahrelang zum Narren gehalten. In Schreiben an mehrere Zeitungen deckte der 76- jährige Henry Randmark, der in den besten Kreisen der Stadt verkehrte und zu fast allen gesellschaftlichen Ereignissen eingeladen wurde, den Schwindel jetzt auf.

Seine Selbsteinträge in der deutschen Ausgabe der Personenenzyklopädie "Who is who" füllen eine halbe Spalte und enthalten auch ein Foto des Hochstaplers. Nach diesen Angaben wurde Randmark 1937 in Los Angeles geboren und absolvierte die US- Militärakademie in West Point. Später diente er laut Eintrag als Colonel der US-Streitkräfte, arbeitet als Drogenbekämpfer der US-Armee und war als auch als Journalist und Team-Chef der Fernsehwerbung des Randolph Hearst Syndicates L.A. in Kalifornien tätig. Außerdem, so der Eintrag, sei Randmark "in leitenden Positionen" in Puerto Rico, Japan und Deutschland tätig gewesen. Zudem, so ist dem "Who is who" zu entnehmen, erhielt der "Vorzeigeunternehmer", der in Hamburg eine Graffiti-Beseitigungsfirma gründete, zahlreiche Auszeichnungen, Orden und Ehrenabzeichen.

Fast alles Schwindel, wie Randmark Hamburger Zeitungen mitteilte. Schon sein Alter ist den Berichten vom Samstag zufolge getürkt: Randmark ist nicht 65, sondern 76 Jahre alt. "Ich war eitel. Und ich habe festgestellt, dass in Hamburg die Menschen nur auf Äußerlichkeiten achten, nicht auf den Menschen dahinter", sagte Randmark der "Bild"-Zeitung. Er habe es als "abwertend" empfunden, nur als Fassadenreiniger genannt zu werden. Daraufhin beschloss er laut "Bild", die Hamburger zu "provozieren".

Seine Einträge und Angaben öffneten ihm Tür und Tor zu Hamburgs feiner Gesellschaft und der Politik: Randmark wurde Mitglied im Verein eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg, im Übersee-Club, gehörte der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gesellschaft an und stand dem American-German-Business-Club vor. Schließlich verschaffte ihm Hamburgs Innensenator Ronald Schill den Berichten zufolge sogar eine Einladung zum berühmten Matthiae-Mahl im Rathaus. Auch zum US- Konsulat pflegte Randmark beste Kontakte: Laut "Bild" stellte ihm die amerikanische Konsulin Susan Elbow mehrfach Konsulatsräume für Clubveranstaltungen zur Verfügung.

"Schrecklich enttäuscht" zeigte sich Ferdinand Fürst von Bismarck laut "Bild"-Zeitung von den Schwindeleien Randmarks. Von ihm hatte Randmark Orden und Medaillen für die Reinigung des Bismarck-Denkmals erhalten. In gleich lautenden Schreiben an "Bild" und "Welt", das "Hamburger Abendblatt" und die "Hamburger Morgenpost" entschuldigte sich "Sir Henry" jetzt für die Legende, die er aufgebaut hat: "Sollte ich mit meinem Verhalten mir nahe stehende Menschen verletzt haben, so bedauere ich dies aufrichtig und möchte mich dafür entschuldigen." (APA)

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