Theaterausschuss beschließt Umwandlung in GmbH bis 2003

9. März 2002, 14:22
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Bürgermeister Stingl: "Künftig an Budgetvorgaben halten"

Graz - Bei der außerordentlichen Sitzung des Theaterausschusses der Vereinigten Bühnen Graz (VB) am Samstag in der Grazer Oper wurde die Einrichtung einer Expertengruppe beschlossen, die die Umwandlung der Grazer Theater in eine oder mehrere Gesellschaften vorbereiten soll. Der Vorsitzende des Ausschusses, der Grazer Bürgermeister Alfred Stingl (S), sagte, die Umsetzung solle mit Beginn der Spielsaison 2003/2004 abgeschlossen sein. Bezüglich der Nachbedeckung des Minus von 1,22 Mill. Euro aus der abgelaufenen Saison werde es ein Stadt-Land-Gespräch geben.

Mit der Umwandlung in eine GmbH gehe man den Weg der Bundestheater, so Stingl. Das Unternehmensberatungsbüro Infora, das in den vergangenen Monaten den Betrieb der Bühnen durchleuchtet hatte, solle "mögliche sinnvolle Modelle" vorstellen, meinte der Bürgermeister. Zu der Expertengruppe werden ferner Angehörige der Sparten der Bühnen sowie des Landes und der Stadt gehören. Möglich sei die Bildung von Gesellschaften im künstlerischen Bereich, für die Abteilungen Ressourcen und Finanz sowie auch für Servicedienste. Abteilungen wie die Werkstätten könnten ihre Leistungen dann verstärkt am freien Markt anbieten. Die künftigen Intendanten bzw. Geschäftsführer der Gesellschaften würden sich aber an die Budgetvorgaben zu halten haben, so Stingl: "Es ist nicht nur der künstlerische, sondern auch der finanzielle Rahmen einzuhalten."

Der Abgang von 1,22 Mill. Euro sei unter anderem auf den Intendantenwechsel von Gerhard Brunner zu Karen Stone zurückzuführen, erklärte Stingl. Weiters habe das Schauspielhaus "eine enorme künstlerische Steigerung erfahren, dessen Auswirkungen erst gegen Ende der Spielzeit kalkuliert werden könne. Seitens der Infora wurde festgehalten, dass bisher bei den VB die Bildung von Rücklagen für Pensionen und Abfertigungen bzw. für Bauvorhaben "rechtlich nicht zwingend" vorgeschrieben war. Finanzstadtrat Siegfried Nagl (V) meinte dazu, durch die neuen Gesellschaftsformen, "durch diese Vorwärtsstrategie", würden die Versäumnisse der Vergangenheit wett gemacht. Stingl: "Die Nachbedeckungsforderung trifft die Gebietskörperschaften in einer für sie selbst schwierigen Situation."

Gegenüber den Vorwürfen von Kulturlandesrat Gerhard Hirschmann (V) nahmen die Ausschussmitglieder die Bühnen in Schutz: "Die Forderung nach Deckelung der Zuschüsse kann nicht unkommentiert stehen bleiben", so Stingl. Theater habe mit Menschen zu tun, das ergebe eine "Dynamik von Löhnen und Sachkosten". Man habe der Theaterleitung den Auftrag mitgegeben, ein "Modell der kalkulierbaren Verlangsamung der Zuschüsse" zu entwickeln, sagte Stingl. Das bedeute, dass in der Saison 2003/04 mit einem abgesenkten Beitrag der Öffentlichen Hand zu kalkulieren sei. 2004/05 gebe es eine "normale Erhöhung", in der folgenden Saison gebe es "im Sinne der Verlangsamung wieder eine abgesenkte Erhöhung", so der Bürgermeister. "Es wurde in keiner Weise die Schließung eines der Häuser Bühnen oder die Abschaffung einer Sparte angedacht", beruhigte Kurt Jungwirth vom Theaterausschuss in Bezug auf Gerüchte, dass das Ballett oder der Grazer Opernchor aufgelöst werden sollten. (APA)

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