"Dichand sucht die nächste Regierung aus"

9. März 2002, 13:19
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Elfriede Jelinek übt scharfe Kritik an Pressekonzentration in Österreich

Wien - In einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Wochenend-Ausgabe) übt die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek scharfe Kritik an dem "in der westlichen Welt einmaligen Grad der Pressekonzentration" in Österreich im Allgemeinen und die "Krone" bzw. den deutschen Medienkonzern WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) im Besonderen. Das "Mediaprint-Geflecht" und die "Krone" bestimmten die Politik in Österreich und bildeten längst eine "Einheitspartei".

"Bei der letzten hat es noch nicht ganz geklappt"

Über den Einfluss von "Krone"-Herausgeber Hans Dichand auf die Politik schreibt Jelinek unter anderem: "Er wird die nächste Regierung aussuchen (bei der letzten hat es noch nicht ganz geklappt, und jetzt ist er böse deswegen), er wird die nächsten Politiker aussuchen, und er wird die passenden Haustiere und Frauen dazu aussuchen, er hat ja auch selber einen lieben Hund, und wie der folgt: Was der kann, können die Politiker schon lang, man muss ihnen halt ein bissel helfen, bis ihre Waden nach vorne schauen, wo es vorwärts geht, denn wir müssen zurück..."

Das Politische abnehmen

Und weiter: "Die Kronenzeitung sagt, Politik verdirbt die Menschen, sie brauchen sich jetzt aber gar nicht mehr um diese Politik zu kümmern, das übernimmt diese liebe gute Zeitung ja für sie, sie nimmt ihnen das Politische ab. Nicht indem sie Politik für sie macht, sondern indem sie Politik an ihrer statt macht und daher (angeblich) ganz besonders und ganz allein nur für sie macht..." Die Zeitung werde so zur "Einheitspartei für alle und alles, egal was die andren Parteien sagen oder für wen sie sich einsetzen".

Dichand habe "ein kompaktes Menschenpaket aus der halben Bevölkerung geformt, ein wahres Prachtstück, einen Humpen Mensch, aus dem er säuft, ihren Beifall braucht er nicht, er fürchtet sich vor keinem Gespräch, denn Gespräche führt er nicht, er spricht mit sich selbst, und mit sich spricht er zu allen und streichelt seinen Hund dazu. Nein, Macht will er nicht, die hat er ja schon."

"Politisch schwache, aber reiche Deutsche"

Scharfe Kritik übt Jelinek auch an der WAZ, die sie als "Agentur der Kolonialisierung des Nachbarlandes Österreich" beschreibt: "Die WAZ hat nicht kämpfen müssen, um uns zu kolonialisieren und geistig zu unterjochen, sie hat nur kaufen müssen, eine internationale Leidenschaft, und die Deutschen sind politisch schwach, aber reich, auch meinungstechnisch reich, aber nein, die Hälfte der Krone haben sie gekauft, das ist ein ziemlich risikoloser Profit, Presseförderung kriegt sie vom Staat auch noch, aber mit dem Finger auf andre zeigen, die angeblich etwas vom Staat bekommen, das ihnen nicht zusteht, darin sind sie groß." (APA)

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