Präsidentenwahl hat begonnen

9. März 2002, 15:43
posten

Großer Andrang vor Wahllokalen in Harare - Schleppender Anlauf auf dem Land

Harare - Unter großem Andrang vor den Wahllokalen in der Hauptstadt Harare hat am Samstag die auf zwei Tage angesetzte Präsidentenwahl in Simbabwe begonnen. Auf dem Lande lief die Abstimmung dagegen nur schleppend an. Gegen Amtsinhaber Robert Mugabe tritt der Oppositionspolitiker Morgan Tsvangirai von der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) an. Zur Wahl sind rund 5,6 Millionen Menschen aufgerufen. Damit haben die Simbabwesen erstmals seit der Unabhängigkeit von 1980 eine echte Auswahl zwischen zwei starken Kandidaten.

Schon vor Beginn der Abstimmung um 07.00 Uhr Ortszeit (06.00 Uhr MEZ) bildeten sich vor manchen Wahllokalen in Harare bis zu zwei Kilometer lange Schlangen. Vor allem in den ärmeren Bezirken der Hauptstadt Harare standen die Menschen an, um ihre Stimme abzugeben. Diese Bezirke gelten als Hochburgen der Opposition, die den seit 22 Jahren amtierende Präsident Robert Mugabe ablösen will.

Vor der Grundschule im Stadtteil Glenview warteten über 1000 Menschen auf die Öffnung des Wahllokals um 07.00 Uhr (Ortszeit). "Das ist es, was wir der Welt sagen wollen - wir wählen heute einen neuen Führer", sagte ein Mann. Im Stadtteil Kambuzuma erstreckte sich der Andrang zum Wahllokal auf etwa zwei Kilometer Länge. Auch in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt des Landes, kam es zu einem großen Andrang auf die Wahlurnen. Über 4500 Wahllokale sind über das Land verteilt.

Schon in der Nacht angestellt

In einem Fall wurden die Wähler, die sich zum Teil schon in der Nacht angestellt hatten, so ungehalten, dass sie das Lokal zu stürmen versuchten. Sie wurden jedoch von der Polizei zurückgedrängt. Ansonsten wurden vorerst keine Zwischenfälle gemeldet. Überall auf den Straßen waren Polizisten sowie Soldaten in Armeefahrzeugen stationiert, was Beobachter als eine Demonstration der Stärke seitens der derzeitigen Regierung werteten.

Eine hohe Wahlbeteiligung, besonders in der Hauptstadt, dürfte der MDC zu Gute kommen. Diese hatte kurz nach ihrer Gründung bei der Parlamentswahl im Juni 2000 auf Anhieb 57 der 120 zur Verfügung stehenden Mandate gewonnen, und damals waren die Wählerschlangen bei weitem nicht so lang gewesen wie am Samstagmorgen. Nach Angaben der Opposition gab es in Harare diesmal allerdings 35 Prozent weniger Stimmlokale, womit die Wahl offenbar erschwert werden sollte.

Der hohe Zuspruch für die Opposition wird vor allem auf die anhaltende Wirtschaftskrise in Simbabwe zurückgeführt. "Bei dieser Wahl geht es um Nahrungsmittel und Arbeitsplätze", bestätigte Newton Kuwana, der sich schon um 04.00 Uhr morgens vor seinem Wahllokal angestellt hatte.

Wählerlppotenzial ausgeschaltet

Der Wahlkampf war von politischer Gewalt und Einschüchterungsversuchen geprägt, für die Menschenrechtsgruppen Mugabe und seine seit der Unabhängigkeit regierende Partei ZANU-PF verantwortlich machten. Zudem wurden mehrere Vorschriften durchgesetzt, die offenkundig den 78-jährigen Amtsinhaber begünstigen sollten.

So wurde ein großes Wählerpotenzial, das in erster Linie seinem 49-jährigen Herausforderer zu Gute gekommen wäre, ausgeschaltet. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom Donnerstag darf niemand mit doppelter Staatsangehörigkeit seine Stimme abgeben, was mehrere zehntausend Simbabwesen betrifft. Die Richter lehnten ferner einen Antrag der Opposition ab, die Bürger überall im Lande wählen zu lassen, nicht nur in ihrem Heimatwahlkreis. Einer Studie zufolge ist somit rund ein Fünftel der registrierten Wähler gezwungen, für die Stimmabgabe zum ursprünglichen Heimatort zurückzukehren.

Außerdem stellten unabhängige Beobachter fest, dass etwa die Hälfte der fünf Millionen Wähler in falschen Bezirken registriert wurde. Auch wurden nur 300 von 12.500 unabhängigen Wahlbeobachtern aus den Gemeinden zugelassen. Nur wenigen ausländischen Journalisten wurde eine Erlaubnis zur Wahlberichterstattung erteilt.

Die Wahllokale sollten am Samstag noch bis 19.00 Uhr Ortszeit und dann am Sonntag ebenfalls von 07.00 bis 19.00 Uhr geöffnet sein. Mit ersten Ergebnissen wird für Montag gerechnet, das offizielle Ergebnis soll am Dienstag feststehen. (APA/AP/Reuters)

Share if you care.