Korneuburg, die Werft und die Autobahn

8. März 2002, 22:03
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Niederösterreich: Streit um A22-Auffahrt

Korneuburg - Die Autobahn sollte der Stadt tunlichst fernbleiben, wünscht sich Wolfgang Schmidt von der Bürger-initiative Pro Korneuburg. Politisch fühlt er sich überfahren: "Niemand in der Gemeinde hat die betroffenen Anrainer von der geplanten A22-Abfahrt informiert."

Und betroffen, so meint er, wären viele, "das ganze Stadtviertel rund um die Leobendorfer Straße", sollten die Überlegungen Bürgermeister Wolfgang Peterls (SP) umgesetzt werden: um rund 2,18 Millionen Euro eine Autobahnabfahrt "Korneuburg Mitte" zu errichten, auf halbem Weg zwischen den beiden bereits bestehenden A22-Zubringern "Korneuburg West" und "Korneuburg Ost".

Werft soll aufgewertet werden

Die neue, mittlere Abfahrt soll nach Westen zur nahen Donauschiffswerft, nach Osten durch bisher unbebautes Stadterweiterungsgebiet Richtung Zentrum führen. "7000 Autos pro Tag" würden dann allein die Verbindung von und zur Werft nutzen, fürchtet Schmidt.

Beachtenswertes Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke sei durchaus wünschenswert, entgegnet Ortschef Peterl: "In den kommenden Jahren soll die Werft aufgewertet werden. Angepeilt ist auch, den nahen Wirtschaftspark von bisher 35 auf 100 Firmenniederlassungen zu erweitern."

Ebenso hätten die private Imadec-Universität und mehrere Hotelketten Interesse an einer wiennahen Donauuferniederlassung bekundet, "aber nur, wenn Anbindung ans hochrangige Straßennetz besteht". Während in Richtung Stadt bis zum Jahr 2012 Wohnbauten für 2000 Neu-Korneuburger entstehen würden. Deren Autos ohne Zubringer "direkt durchs Stadtgebiet unterwegs wären".

Interessierter Pröll

Auch Landeshauptmann - und, als Landesverkehrsreferent, Geldgeber - Erwin Pröll (VP) sei bei einem ersten Gespräch den Pro-Abfahrtsargumenten zugetan gewesen, erzählt Peterl. Er kündigt "Diskussionen mit den Anrainern" an, "nicht nur im Rahmen der ohnehin notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfung".

Abfahrtsgegner Schmidt jedoch will nicht so lange warten. Mit VP und Grünen habe er sich bereits kurzgeschlossen, mit den Freiheitlichen stehe er kurz davor: "Wir lehnen den A22-Zubringer strikt ab", betont er. (bri/DER STANDARD, Printausgabe 09./10.03.2002))

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