Zoounglück: Verschwiegene Gefahr

8. März 2002, 22:56
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Niemand weiß, wer er ist, aber Zoodirektor Helmut Pechlaner dankt ihm: jenem unbekannten Helden, der neben Pechlaner und seinem Assistenten Peter Linhart ins Jaguargehege gestürmt ist, ungeachtet der lauernden Gefahr. Tatsächlich ist der Mann zu bewundern für seinen selbstlosen Einsatz nach der Attacke dreier Jaguare auf eine Tierpflegerin. Wie auch Pechlaner und Linhart mehr als mutig waren.

Die Öffentlichkeit erfährt aber eher zufällig von diesem Helfer und kann damit erahnen, dass da weit mehr Gefahren bestanden haben, als bisher zugegeben wurden. Dass da nämlich ein Moment war, in dem alle Türen in alle Richtungen offen standen - für Unvorsichtige, ins Gehege zu gelangen, für die drei Raubkatzen, um nach außen zu springen. Niemals, wird seit Tagen beteuert, seien die Besucher in Gefahr gewesen. Man habe alles für ihre Sicherheit getan.

Stimmt. Das Krisenmanagement im Zoo hat nach Zeugenberichten gut funktioniert. Kein Vorwurf ist zu hören, dass man vor Ort nicht rasch und zuverlässig reagiert habe. Bis Helmut Pechlaner am Donnerstag im Krankenhaus zu den Medien sprach. Er hat so nebenbei die Rolle des unbekannten Helfers erwähnt - ohne Rücksprache mit der Haus-PR. Die war nicht einmal von Pechlaners Pressekonferenz informiert. Da ist die kalkulierte Informationsstrategie, der Öffentlichkeit das Erscheinen des ominösen Helfers und möglicher Konsequenzen zu verschweigen, zusammengebrochen. Immerhin: Unkoordiniertheit bewirkt, dass wahre Geschehnisse bekannt werden.

Hoffentlich gab es nur einen Grund für das Schweigen: Sie wollten uns nicht weiter Angst machen. Sonst müssten wir annehmen, es hat für die Besucher doch mehr Gefahr bestanden, als wir uns jemals auszumalen gewagt hätten. (DER STANDARD, printausgabe 09./10.03.2002)

Kommentar von Andrea Waldbrunner
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