Von einem anderen Stern

13. Mai 2005, 13:48
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Die in Dänemark gefeierte Autorin Mirjam B. Wechselmann erstmals ins Deutsche übersetzt

Im trockensten Teil der chilenischen Atacama-Wüste liegt das größte Observatorium der Welt. Da der Himmel über der Wüste besonders klar ist, finden sich dort ideale Bedingungen für astronomische Beobachtungen. Es könnte schon passieren, dass man dabei den einen oder anderen neuen Planeten entdeckt, zum Beispiel den, der das Zuhause von Veronica ist, dem naiven, kindlichen Wesen, das in den Körper einer verstorbenen jungen Frau schlüpft, um auf der Erde seine Schwester zu suchen und sich dabei in den Astronomen Paco verliebt.

Die dänische Autorin Mirjam Bastian Wechselmann - sie besuchte aus Recherchezwecken die Observatorien in Chile und Hawaii - hat sich für ihr zweites Buch (nach Reisen in einem roten Auto, 1997) einen Plot ausgesucht, der an eine Geschichte für Kinder erinnert. Tatsächlich lassen sich Anklänge an Disney ausmachen,wenn sich die Außerirdische entscheiden muss,ob sie auf der Erde bleibt oder zurück in ihrer Heimat geht.

Auch Alice im Wunderland lässt grüßen, als auch noch Ekved und Skeved - zusammengewachsene Wesen wie Tweedledee und Tweedledum - auftauchen. Im scharfen Kontrast dazu stehen die mit astronomischen Fachausdrücken gespickten Passagen, die im Observatorium spielen.

Wechselmann bleibt nicht bar jedes Humors, nur jeder Selbstironie. So häufen sich kitschige und klischeehafte Passagen: Deutsche sind von "teutonischer Reinlichkeit und Ordnung", Journalisten "verdrehen die Wahrheit" und Kranke bekommen eine Suppe, "eine von denen, die einem die Mutter kocht".

In Dänemark erzielt Wechselmann mit ihren Romanen bei Publikum und Kritik gleichermaßen große Erfolge. Nicht einmal dem Phänomen "Zweites Buch", das in den Rezensionen in vielen Fällen zerrissen wird, fiel die Autorin dort zum Opfer. Vielleicht weil Dänemark ein traditionell kinderfreundliches Land ist. (Der Standard, Printausgabe, Debora Knob)

Mirjam B. Wechselmann
Die Sternenfrau
€ 22.60
240 Seiten
Jung und Jung, Salzburg 2002
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