Einen der Riesen-Buddhas könnten die Taliban übersehen haben

8. März 2002, 19:26
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Archäologe: 350 Meter großer schlafender Buddha noch nicht ausgegraben und unversehrt

Paris - In Afghanistan hat eine gigantische Buddha-Statue nach Überzeugung eines französischen Archäologen die Zerstörungswut der Taliban unversehrt überstanden. Die rund 350 Meter große Statue eines schlafenden Buddha sei noch nicht ausgegraben und befinde sich, bedeckt von einer Sandschicht, in der Nähe eines Klosters, sagte der gebürtige Afghane Zemaryalai Tarz. Er bestätigte damit seit einigen Wochen in Expertenkreisen kursierende Gerüchte.

Tarzi lokalisierte die Riesen-Statue nach eigenen Angaben bereits vor 25 Jahren auf der Grundlage chinesischer Schriften aus dem siebten Jahrhundert. "Die Buddha-Statue ist noch nicht ausgegraben worden, obwohl der Standort des Klosters bekannt ist", sagte er. "Zuvor müsste eine ganze Reihe archäologischer Untersuchungen vorgenommen werden." Tarzi leitete früher das Archäologische Institut in Kabul und lehrt heute an der Marc-Bloch-Universität in Straßburg.

Bildersturm und Buddha-Suche

Trotz weltweiter Proteste hatte die radikal-islamische Taliban-Miliz vor einem Jahr die beiden weltberühmten Buddha-Statuen von Bamijan im Zentrum des Landes gesprengt. Die beiden 34,5 und 55 Meter hohen Statuen wurden von Archäologen zu den größten Weltwundern gezählt. Buddhistische Mönche hatten sie zwischen dem zweiten und fünften Jahrhundert in den Sandstein-Fels gemeißelt.

Der Leiter des Pariser Guimet-Museums, Jean-Francois Jarrige, erklärte, er wolle in Zusammenarbeit mit Tarzi ein Forscherteam nach Afghanistan entsenden, um den schlafenden Buddha zu finden. Allerdings müsse die Übergangsregierung in Kabul dafür grünes Licht geben. Diese Übergangsregierung hatte bereits erklärt, der Wiederaufbau der zerstörten Buddha-Statuen von Bamijan sei ein vorrangiges Ziel. (APA)

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