Der unbekannte Helfer im Jaguargehege

8. März 2002, 19:14
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Tiergarten Schönbrunn: Nicht alle BesucherInnen haben nach der Raubtierattacke das Haus verlassen

Wien - Der große unbekannte Helfer war wohl mutig, aber es ist völlig unklar, wie ein Mann unmittelbar nach der Jaguarattacke auf die Tierpflegerin im Schönbrunner Großkatzenhaus ins Gehegeinnere gelangen konnte.

Der Unbekannte ist gemeinsam mit Helmut Pechlaner und seinem Assistenten Peter Linhart ins Katzenhaus gestürmt, um der am Boden liegenden, bereits toten Pflegerin Sabine zu helfen. Das hat Direktor Pechlaner bei seiner Spitalspressekonferenz am Donnerstag en passant erwähnt. Pechlaner, dem ein Jaguar schwere Handverletzungen zugefügt hat, hat dem Helfer gedankt, weil der "so geschickt war". Gemeinsam haben die beiden die Verbindungstür, hinter der die Jaguare lauerten, geschlossen. Über die Identität des Helfers ist nichts bekannt.

Auf Nachfrage des Standard, ob doch TiergartenbesucherInnen gefährdet gewesen seien, beteuert Verwaltungschef Gerhard Kasbauer, "dass unsere Mitarbeiter gleich alle Besucher aus dem Großkatzenhaus gebracht haben". Offenbar ist aber übersehen worden, dass der unbekannte Zivilist kein Mitarbeiter, sondern Besucher war. Und deshalb ist er nicht daran gehindert worden, mit Pechlaner in den Pflegerraum zu gehen.

"Wir wollen nichts verschweigen"

"Das ist alles blitzschnell gegangen in dem Trubel. Erst jetzt haben wir realisiert: Da ist wer, den man nicht zuordnen kann", steht Gerhard Kasbauer vor einem Rätsel. Er vermutet, ein Besucher oder ein Arbeiter einer Fremdfirma könnte der Unbekannte gewesen sein. Und: "Wir wollen sicher nichts verschweigen."

Am Tag nach dem Unglück hat aber niemand diesen unbekannten Mann im Zoo erwähnt. Auch nicht Peter Linhart, der dritte mutige Helfer im Gehegeinneren.

Die Rekonstruktion des Jaguarunfalls durch die Polizei hat ergeben, dass die Tierpflegerin vermutlich aus Unachtsamkeit den Schuber zur Jaguarbox offen gelassen hat. Die drei Raubkatzen sind sofort auf sie losgegangen, weil sie als Wildtiere ihr Revier verteidigt haben. Pechlaner und Linhart sind ihr zu Hilfe geeilt, im Trubel dürfte der Unbekannte durch die sonst versperrte Tür gekommen sein. Dem Mann war die Gefahr, in die er sich begeben hat, möglicherweise nicht bewusst.

Auch die Beamten rund um Bezirkspolizeichef Günter Bruckner haben den Unbekannten bis dato nicht finden können. Für Bruckner auch nicht für notwendig: "Die Ermittlungen sind abgeschlossen." (DER STANDARD, Printausgabe 09./10.03.2002)

von Andrea Waldbrunner
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