YLine-Masse wird aufgefettet

8. März 2002, 18:43
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Bluebull-Hauptaktionär will umstrittene Geschäfte begleichen

Wien/St. Gallen - Christof Stapf, Wiener Rechtsanwalt und Masseverwalter der insolventen New-Economy-Firma YLine, kann einen Erfolg beim Auffetten der Masse verbuchen: Von der Schweizer City M & A AG, Hauptaktionärin des in Wien börsenotierten Finanzdienstleisters Bluebull, sollen 900.000 EURO kommen. Dafür würden die zuvor als Besicherung auf einem Treuhanddepot einbehaltenen 900.000 Bluebull-Aktien an City zurückgegeben. "Zuerst muss das Geld auf das Konto überwiesen werden, dann erst werden die Gerichtsverfahren eingestellt, dann gibt es die Bluebull-Aktien zurück", heißt es seitens des Masseverwalters. Es sei dies "die richtige Vorgangsweise bei einer Firma, bei der unter dem tollen Schweizer Briefkopf eine österreichische Handynummer als einziger Kontakt angeführt ist".

An City M & A ist zu 75 Prozent der in den 80er-Jahren als Börsestar gefeierte Michael Lielacher beteiligt. Er hält selbst weitere 21,8 Prozent an Bluebull. City werde - so der Deal klappt - wieder 36,7 Prozent haben, hieß es. Bluebull wollte die Höhe der Geldflüsse weder dementieren noch bestätigen. Bluebull notierten zuletzt mit 1,60 EURO, waren im Frühjahr 2001 zu 7,20 begeben worden.

Bereinigt

Sollte das Geld fließen, wären damit vier umstrittene Geschäfte zwischen YLine und City M & A bereinigt. Die Angaben über deren Volumen schwankten zwischen 6,2 und 3,5 Mio. EURO. Die wahre Werthaltigkeit dieser und anderer Geschäfte der YLine wird derzeit in einem Gutachten untersucht, das von Stapf in Auftrag gegeben wurde. Der Masseverwalter verlangt weiters Einsicht in die Konten der Privatstiftung von YLine-Gründer Werner Böhm. Stapf ist auf der Suche nach dem Geld, das durch den Börsegang von YLine 1999 lukriert wurde. Böhm - er versucht sich wieder als Unternehmer mit der Mergers-&-Acquisition-Beratung Proforce - verweigert dies aber vehement.

Bei einer Ex-YLine-Tochter, der Wiener Linux/Unix-Schmiede Cubit, hat sich indessen die Salinen AG mit 51 Prozent eingekauft. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 9.3.2002)

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