Noch "großes Potenzial" im Osten

8. März 2002, 18:37
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Exportzuwächse mit EU-Beitrittswerbern bleiben Außenhandelsmotor Nr. 1

Wien - Österreich hat im abgelaufenen Jahr seine traditionell enge Handels- und Investitionsverflechtung mit den Ländern Mittel- und Osteuropas weiter vertieft. Die rege Investitionstätigkeit heimischer Firmen ist einerseits auf den Privatisierungsprozess osteuropäischer Banken oder Versicherungen zurückzuführen, andererseits herrscht reges Engagement etwa bei großen Immobilienentwicklungen oder auch Firmengründungen im Hightechbereich im Ungarn oder Tschechien.

Über Wachstum mit EU

Sowohl die Exporte mit einer Steigerung um 6,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 als auch die Importe mit einem Plus von sechs Prozent liegen "angesichts der weltweiten Konjunkturdelle über dem Durchschnitt des Gesamtaußenhandels Österreichs mit Europa", sagte Georg Schrammel, stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsorganisation in der Wirtschaftskammer Österreich auf einer Pressekonferenz. Anlass war ein Zusammentreffen der Handelsdelegierten aus Ungarn, Tschechien, Russland, Polen, der Slowakei und der Ukraine am Freitag in Wien.

Schrammel sagte weiter: "Über unsere bereits sehr starke Position in Ungarn und Tschechien hinaus gibt es für die österreichischen Unternehmen noch sehr großes Potenzial etwa in Polen oder der Ukraine."

Russland-Exporte legten am stärksten zu

Am stärksten zulegen konnten im Jahr 2001 die Exporte Österreichs nach Russland, und zwar um 40 Prozent. Handelsdelegierter Hans Kausel führt dies auf diverse Reformschritte unter Präsident Putin und die allgemein bessere Wirtschaftslage in Russland zurück. Die russische Steuerreform brachte eine Flat Tax von 13 Prozent bei der Einkommenssteuer sowie eine Körperschaftssteuer für Unternehmen von 24 Prozent (Österreich: 34 Prozent).

Auch die Beitrittswerber sehen noch großes wirtschaftsliches Potenzial durch den EU-Beitritt gegeben, obwohl etliche Ökonomen zuletzt argumentierten, die größten Wohlstandsgewinne seien durch die Ostöffnung ab 1989 längst eingefahren. Josef Altenburger, Handelsdelegierter in Pressburg: "Vor allem durch die noch steigende Rechtssicherheit durch einen EU-Beitritt erwarte ich einen weiteren wirtschaftlichen Schub für die Slowakei."

Dabei kämpfen die Beitrittswerber längst selbst mit ihrem gestiegenen Wohlstandsniveau, das auch die Löhne kräftig ansteigen ließ.

Die Folge ist, dass mehr und mehr Konzerne weiter nach Osten ziehen, um die Lohnkostenvorteile weiterhin ausnutzen zu können. So geschehen bei der Brau Union, die von Ungarn aus auch nach Rumänien ging, oder bei der Papiergruppe von Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn, der mittlerweile bis nach Siebenbürgen hinein engagiert ist. "Die Karawane zieht ostwärts", so Altenburger. Auch in Tschechien würden Investoren überlegen, bis in die Ukraine auszuweichen. Angeheizt wird das durch die Aufwertungstendenzen der tschechischen Krone, die Exporte verteuern. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 9.3.2002)

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